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Tax Compliance: Unternehmen senken lieber Risiken als Steuerlast

Wie die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung zum Thema Tax Compliance durch Allen & Overy zeigen, rückt bei Unternehmen anstelle der Minimierung ihrer Steuerlast nun eher die Minimierung ihrer steuerlichen Risiken in den Fokus.
Von Redaktion
26. Januar 2017

Die Ergebnisse der jüngsten Befragung lassen einen Wandel gegenüber einer vergleichbaren Umfrage von Allen & Overy aus dem Jahr 2015 erkennen. Damals sahen Unternehmen ihre wichtigste Aufgabe noch in der Reduzierung der Steuerlast.

Angesichts des raschen Wandels der gesetzlichen Regelungen suchen Unternehmen nunmehr jedoch größere Sicherheit bei steuerlichen Fragen. In den Vorständen werden Steuerfragen jetzt häufiger als früher thematisiert: Bei mehr als einem Drittel (39 %) der Unternehmen werden Steuerthemen mittlerweile mindestens einmal im Monat auf Vorstandsebene diskutiert. Knapp ein Viertel (23 %) der befragten Unternehmen gab an, dass Steuerthemen sogar häufiger als einmal im Monat auf der Tagesordnung ihrer Vorstände stehen, vor fünf Jahren war dies nur bei 5 % der Fall.

Mehr Transparenz erwartet

Von Unternehmen wird heute eindeutig mehr Transparenz erwartet: Für multinationale Unternehmen ist unter bestimmten Voraussetzungen eine länderbezogene Berichterstattung, das sogenannte Country-by-Country-Reporting, Pflicht. Auf EU-Ebene wird diskutiert, für solche Unternehmen zusätzlich eine Pflicht zur allgemeinen Veröffentlichung bestimmter Daten einzuführen, was aber nicht alle Mitgliedstaaten unterstützen; so spricht sich etwa Deutschland dagegen aus.

Aus der Umfrage ergibt sich, dass ein großer Teil der befragten Unternehmen auf die steigenden Transparenzerwartungen bereits reagiert: 34 % aller befragten Unternehmen gaben an, dass sie eine Politik der uneingeschränkten Offenlegung verfolgen, 46 % tun dies teilweise.

In Deutschland gaben 47 % der Unternehmen an, vor Umsetzung bestimmter Vorhaben niemals bei den Steuerbehörden für eine verbindliche Auskunft anzufragen – dies ist der höchste Wert unter allen an der Umfrage teilnehmenden Ländern. Gleichzeitig gaben 71 % der befragten Unternehmen in Deutschland an, zu steuerlichen Themen oft oder regelmäßig eine Zweitbeurteilung (sog. Second Opinion) durch einen steuerlichen Berater einzuholen. Dies ist – neben Spanien – der höchste Wert unter allen an der Umfrage teilnehmenden Ländern und zeigt das vorhandene Bedürfnis bei deutschen Unternehmen nach mehr Sicherheit und Minimierung steuerlicher Risiken.

In anderen an der Umfrage teilnehmenden Ländern scheint die Zusammenarbeit mit der Finanzverwaltung besser zu funktionieren. In den Niederlanden beispielsweise gaben 48 % der befragten Unternehmen an, eine uneingeschränkte Offenlegung vorzunehmen; in Großbritannien und den USA lagen die Zahlen mit 44 % bzw. 40 % ebenfalls hoch.

Vorreiter Großbritannien

In der öffentlichen Debatte um die Unternehmensbesteuerung nimmt Großbritannien eine Vorreiterrolle ein. Im Jahr 2015 führte die Regierung unerwartet die ,Diverted Profit Tax‘ ein – eine Steuer auf umgeleitete Gewinne – und griff damit dem Aktionsplan der OECD zur Bekämpfung von Gewinnverkürzungen und Gewinnverlagerungen (BEPS) vor. Derzeit beschreitet die britische Regierung einen neuen Weg: Geplant ist ein Gesetz, nach dem Unternehmen haften, wenn sie Kenntnis von einer Steuerhinterziehung durch ihre Berater haben. Gleichzeitig sollen die Steuersätze für Unternehmen auf das niedrigste Niveau innerhalb der G20-Gruppe gesenkt werden.

„In Großbritannien stellt es künftig einen verschuldensunabhängigen Straftatbestand dar, wenn ein Unternehmen die Ermöglichung von Steuerhinterziehung durch eine ,verbundene Person‘ nicht verhindert“, so James Burton, Partner für Steuerrecht bei Allen & Overy in London. „Der neue Straftatbestand wird aller Voraussicht nach ab dem nächsten Jahr greifen und für britische wie ausländische Unternehmen sowie für Steuerhinterziehung im Ausland gelten. Der einzige Schutz sind angemessene proaktive Compliance-Maßnahmen – und die oberste Führungsebene muss ganz klar diese neue Compliance Kultur unterstützen.“

Unternehmen sollten generell ein funktionierendes Tax Compliance Management System implementieren, meint Daniela Trötscher, Steuerpartnerin bei Allen & Overy Frankfurt: „Ein solches Tax Compliance Management System kann auch die strafrechtlichen Risiken entscheidend reduzieren.“

Methodik der Studie

Im 3. und 4. Quartal 2016 befragte YouGov 396 Personen aus der obersten Managementebene nach ihrer Wahrnehmung der Veränderungen im externen steuerlichen Umfeld und ihrer Reaktion darauf. Bei den Befragten handelte es sich zur Hälfte um CEOs, CFOs, Leiter von Rechtsabteilungen und Prüfungsausschüssen und Vorsitzende, die in dem Bericht als Interviewpartner der Kategorie „C-suite“ bezeichnet sind; die übrigen 50 % waren Steuervorstände, Leiter von Steuerabteilungen und Personen in vergleichbaren Positionen, die im Bericht in der Kategorie „Tax Directors“ zusammengefasst sind. Nahezu zwei Drittel der befragten Unternehmen erzielten im Jahr 2015 Umsätze von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die regionale Aufteilung stellte sich wie folgt dar: 77 % Westeuropa, 14 % USA und 9 % Australien. In Deutschland wurden 55 Personen befragt.

Bei der Umfrage wurden sowohl quantitative als auch qualitative Fragen gestellt, und alle Interviews wurden telefonisch nach Vereinbarung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden von YouGov gesammelt und analysiert, wobei alle Antworten anonymisiert und aggregiert wurden. Die Recherchen für den Bericht und seine Erstellung erfolgten durch Elite Media.

(Quelle: Allen & Overy)

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