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Studie: Kaum Antikorruptionsschulungen in Österreich

Der Ernst & Young European Fraud Survey 2011 zeigt, dass Bestechung und Korruption in vielen Märkten Europas nach wie vor Routine sind. Die Österreicher sehen Korruption im eigenen Land allerdings nicht als großes Problem. Heimische Betriebe bieten kaum entsprechende Schulungen an.
Von Redaktion
19. Mai 2011

Im Rahmen des European Fraud Survey 2011 wurden europaweit mehr als 2.300 Mitarbeiter und Führungskräfte aller Ebenen in 25 Ländern – darunter auch 103 Personen in Österreich – befragt. Mehr als ein Drittel der befragten Mitarbeiter quer durch Europa gab an, darauf vorbereitet zu sein, Geldgeschenke oder Unterhaltung anzubieten, um mehr Geschäft zu gewinnen. Rund der Hälfte der Befragten sind laut der Studie nicht einmal die Anti-Bestechungsregeln ihres eigenen Unternehmens bewusst.

Während etwa Mitarbeiter in Griechenland (44 Prozent) und Russland (39 Prozent) am ehesten bereit sind, mit Geldbeträgen zu bestechen, sind die Norweger kaum dazu bereit (6 Prozent). Generell sehen zwei Drittel der europäischen Befragten Bestechung und Korruption als weit verbreitet im eigenen Land an. 40 Prozent geben an, dass sich das Problem in den letzten zwei Jahren des Konjunkturabschwungs noch verschlechtert hat.

Österreich ist anders?

Verglichen mit dem europäischen Durchschnitt glaubt jedoch ein signifikant geringerer Anteil der Befragten in Österreich, dass Bestechungs- und Korruptionspraktiken im eigenen Land weiterverbreitet sind (34 vs. 62 Prozent), dass Korruption aufgrund des Konjunkturabschwungs zugenommen hat (26 vs. 40 Prozent) und dass Unternehmen routinemäßig Bestechung nutzen, um Verträge zu gewinnen (11 vs. 28 Prozent).
„Dieses Ergebnis spiegelt einmal mehr die österreichische Mentalität wider. Tagtäglich wird zwar in den Medien berichtet, dass unethisches Verhalten praktisch an der Tagesordnung ist, dennoch glauben wir nicht wirklich daran“, betont Martin Schwarzbartl von Ernst & Young Österreich.
Und dazu kommt, dass die Österreicher weniger tolerant gegenüber unethischem Verhalten sind. Nur 12 Prozent der Studienteilnehmer hält es für akzeptabel, persönliche Geschenke, Dienstleistungen oder Geldbeträge als Gegenleistung für die Zusage eines Geschäfts anzubieten. Europaweit sind es 19 Prozent. Immerhin 15 Prozent der österreichischen Befragten würden Entertainment anbieten, um einen Vertrag zu gewinnen (Europa: 17 Prozent).

Kaum Mitarbeiterschulungen zu Anti-Bestechungs-Policies

Doch trotz der geringen Toleranz gegenüber unethischen Verhaltens liegen die österreichischen Unternehmen weit unter europäischem Durchschnitt, wenn es darum geht, ihre Mitarbeiter hinsichtlich der Vermeidung von Betrug oder Bestechung zu schulen. Nur 17 Prozent der Befragten bestätigten Trainings innerhalb des Unternehmens zu dieser Thematik. (Europa: 38 Prozent). Immerhin 57 Prozent gaben an, dass es eine Anti-Bestechungs-Policy und einen Verhaltenskodex gebe.
Rund zwei Drittel der Europäer sehen eine höhere Notwendigkeit einer behördlichen Aufsicht, um das Risiko von Betrug, Bestechung und Korruption zu reduzieren. Die österreichischen Unternehmen teilen diese Meinung nicht (58 vs. 77 Prozent). Nur 26 Prozent der Befragten gaben an, sich in Unternehmen wohler zu fühlen, von denen bekannt sei, dass sie von Behörden unter die Lupe genommen würden. (Europa: 55 Prozent).

Das Fazit Schwarzbartl lautet: „Die Umfrage zeigt einmal mehr, dass Österreich, was den Umgang mit Betrug und Korruption betrifft, noch weit vom europäischen Niveau entfernt ist. Offensichtlich herrscht bei uns immer noch die Meinung vor: Betrug und Korruption sind ein Problem, ja, aber das der Anderen. Bleibt abzuwarten, ob der österreichische Gesetzgeber die Voraussetzungen für eine effektive und schlagkräftige Bekämpfung dieser unangenehmen Dinge des Wirtschaftslebens schafft. Ansonsten laufen wir Gefahr, international den Ruf einer „Bananenrepublik“ zurückzuerlangen."

Quelle: Ernst & Young

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