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Studie: Unternehmen spenden ohne Strategie

Laut einer PwC-Studie hat soziales Engagement für die Mehrheit der deutschen Großunternehmen einen hohen Stellenwert. Strategische Ziele werden aber nur selten verfolgt, Nachholbedarf gibt es auch bei der Wirkungsanalyse.
Von Redaktion
27. Februar 2012

Soziales Engagement hat für deutsche Großunternehmen zwar einen hohen Stellenwert, allerdings fällt es den meisten noch schwer, ihre Rolle als „Corporate Citizen“ (Unternehmensbürger) in der Gesellschaft zu definieren. Dies geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor, bei der 100 Unternehmen befragt wurden. So sind rund zwei von drei befragten Führungskräften davon überzeugt, dass das Thema „Corporate Citizenship“ in ihrem Unternehmen eine große Bedeutung hat. Konkrete strategische Ziele verfolgen jedoch nur 39 der 100 analysierten Unternehmen.

Zudem wird nicht immer evaluiert, ob die angestrebten Veränderungen tatsächlich erreicht wurden. Eine regelmäßige Kosten-Nutzen-Analyse des gesellschaftlichen Engagements stellt nur jedes vierte Unternehmen auf, während jedes dritte zumindest gelegentlich eine Evaluierung durchführt. Demgegenüber setzen sich 40 Prozent nie mit der Wirkung ihrer sozialen Initiativen auseinander.

„Spenden, Mitarbeitereinsätze in Sozialeinrichtungen oder auch die Prämierung vorbildlicher gesellschaftlicher Projekte sind zwar grundsätzlich lobenswerte Initiativen. Die Anerkennung eines Unternehmens als ‚Corporate Citizen‘ setzt jedoch voraus, dass soziales Engagement dauerhafte Spuren hinterlässt“, betont Andreas Menke, für den Bereich Sustainability verantwortlicher Vorstand von PwC. „Einzelaktionen bewirken nur selten nachhaltige Veränderungen und entsprechend hoch ist das Risiko, dass gutgemeinte Initiativen von der Öffentlichkeit als reine Imagekampagne missverstanden werden.“

Einer systematischen Bewertung von Aktivitäten im Bereich des „Corporate Citizenship“ stehen nach Ansicht der meisten Befragten insbesondere der hohe Aufwand für eine fundierte Evaluierung und fehlende Kapazitäten im Unternehmen entgegen. Auf der anderen Seite deuten die Ergebnisse der Untersuchung auch darauf hin, dass in vielen Unternehmen die Bedeutung der Wirkungsanalyse für ein nachhaltiges soziales Engagement unterschätzt wird: So hält in mehr als jedem dritten Unternehmen die Geschäftsführung eine Evaluierung der „Corporate Citizenship“ nicht für relevant.

Geschäftsführung an Entscheidungen beteiligt

Die Entscheidung für oder gegen die Förderung einer konkreten Maßnahme wird bei 80 Prozent der Befragten zentral gefällt. Bei fast allen Unternehmen ist die Geschäftsleitung an diesen Entscheidungen immer oder zumindest häufig beteiligt. Richtlinien für Aktivitäten im Bereich der „Corporate Citizenship“ gibt es bei knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen. Ein Managementsystem, das diese Richtlinie umsetzt, existiert allerdings nur bei 43 Prozent der Befragten. Von den Unternehmen ohne Richtlinie hat keines ein Managementsystem.

Spenden fehlt oft Unternehmensbezug

Mehr als acht von zehn Unternehmen fördern auch Aktivitäten, die in keinem Bezug zu ihrer Geschäftstätigkeit stehen. Bei jedem zweiten Befragten machen „geschäftsfremde“ Spenden sogar über die Hälfte des Spendenbudgets aus. Auf der anderen Seite steht nur bei 14 Prozent der Unternehmen die Spendentätigkeit grundsätzlich in direktem Zusammenhang zur eigenen Geschäftstätigkeit.

„Wenn Unternehmen Geld oder Ressourcen für Projekte ohne Zusammenhang mit ihren unternehmerischen Aktivitäten bereitstellen, vermeiden sie zwar den Vorwurf, letztlich im eigenen Interesse zu handeln; soziales Engagement im Sinne von ‚Corporate Citizenship‘ heißt aber, die spezifischen Stärken des Unternehmens für die Gesellschaft einzusetzen. Stellt beispielsweise ein Computerhersteller unentgeltlich Laptops und Lernsoftware für sozial benachteiligte Schüler bereit, entspricht dies weit eher dem Gedanken der ‚Corporate Citizenship‘, als wenn das Unternehmen Spenden zur Anschaffung von Sportgeräten leistet“, erläutert Andreas Menke.

Bei den Unternehmen, die ohne Bezug zu den Geschäftsaktivitäten spenden, ist das Engagement für Nachhaltigkeit das dominierende Motiv (80 Prozent der Befragten), für 75 Prozent geht es um den Imagegewinn. Über die Hälfte der Unternehmen (54 Prozent) verspricht sich vom sozialen Engagement eine höhere Attraktivität als Arbeitgeber. Immerhin verweist jeder vierte Befragte auch auf den gesellschaftlichen und politischen Druck als Spendenmotivation.

Download der Studie

(PM, kp)

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