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Risikomanagement: Ideal und Wirklichkeit

Risikomanagement gehört zum Grundvokabular österreichischer Unternehmer. Eine aktuelle Umfrage bei Verantwortlichen zeigt allerdings, dass zwischen Anspruch und Realität in Sachen Risk Management Lücken bestehen.
Von Redaktion
09. November 2010

Im Rahmen einer Master-Thesis befragte Hedwig Pintscher österreichweit 156 Kunden des Zertifizierungsunternehmens qualityaustria zum Thema Risikomanagement. Welche Bedeutung hat Risikomanagement für Geschäftsführer österreichischer Unternehmen? Was wird überhaupt als Risiko wahrgenommen und wie werden Risikomanagement-Systeme umgesetzt? So lauteten Schlüsselfragen der Studie – hier die wichtigsten Ergebnisse:

Risikomanagement „sehr wichtig“…

90 Prozent der Betriebe stufen Risikomanagement als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ein. Nur 7,8 Prozent halten es für weniger wichtig, niemand für „nicht wichtig“. Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass die Bedeutung von Risikomanagement künftig steigen wird, ein Viertel glaubt sogar an eine „deutliche“ Zunahme.

… aber häufig noch nicht eingeführt

Im Vergleich zur großen Bedeutung, die dem Thema theoretisch beigemessen wird, fällt die praktische Umsetzung deutlich ab: Rund ein Drittel der Betriebe, die Risikomanagement als „sehr wichtig“ einstufen, verfügen nach eigenen Angaben über kein entsprechendes System. Ohne Risikomanagementsystem arbeiten auch 50 Prozent jener Unternehmen, die das Thema eigentlich als „wichtig“ ansehen. Und: Nur rund die Hälfte dieser Unternehmen plant, in den nächsten ein bis zwei Jahren ein entsprechendes System zu implementieren.

Risikomanagement wird nicht immer als solches wahrgenommen

Die Analyse der Ergebnisse habe aber auch gezeigt, so die Studienautorin, dass einige Unternehmen zumindest in Teilbereichen Risikomanagementsysteme aufgebaut hätten, diese aber nicht als solche wahrnehmen würden. Umweltmanagement und Arbeitssicherheit etwa erfordern die Einrichtung einer Notfallvorsorge und sind damit an sich als Risikomanagementsysteme einzustufen. Dennoch haben 21 Prozent der ISO 14001- und 44 Prozent der BS OHSAS 18001- bzw. SCC- zertifizierten Unternehmen angegeben, sie hätten kein Risikomanagementsystem installiert.

Produkthaftung wird als risikoreich empfunden

Produktspezifische Vorgaben für Lebensmittel oder Medizinprodukte werden dagegen häufig mit Risikomanagement in Verbindung gebracht. Alle Betriebe dieser Branchen geben an, ein teilweise oder vollständig eingeführtes Risikomanagementsystem vorweisen zu können.

Standards weitgehend unbekannt

Beim Aufbau von Risikomanagementsystemen operieren die meisten befragten Unternehmen ohne den Rückgriff auf Standards. So gaben nur 18 von 119 Unternehmen an, entweder konzerninterne Standards, die Normen ISO 31000 bzw. ONR 49000 ff oder spezifische Risikomanagementstandards anzuwenden.

Für die Studienautorin ein klares Indiz, dass Standards für Risikomanagementsysteme noch weitgehend unbekannt sind.

Die Studie

Im Rahmen des Lehrganges universitären Charakters „Executive Management“ zur Erlangung des akademischen Grades Master of Science (Management), den qualityaustria in Kooperation mit SanConsult durchführt, analysierte Mag. Hedwig Pintscher für ihre Master-Thesis die Bedeutung und Umsetzung von Risikomanagementsystemen bei 156 zertifizierten österreichischen Betrieben. Dazu befragte Mag. Pintscher im Sommer 2010 die Geschäftsführer der Unternehmen.

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Redaktion

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