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Devisenkassahandel: 1,07 Mrd. EUR Strafe gegen 5 Banken verhängt

In zwei Vergleichsbeschlüssen hat die Europäische Kommission gegen fünf Banken Geldbußen wegen der Beteiligung an zwei Kartellen verhängt, die sich auf den Devisenkassamarkt von 11 Währungen bezogen.
Von Redaktion
17. Mai 2019

Mit dem ersten Beschluss (zum sogenannten „Forex – Three-Way-Banana-Split-Kartell“) wird eine Geldbuße von insgesamt 811.197.000 EUR gegen Barclays, The Royal Bank of Scotland (RBS), Citigroup und JPMorgan verhängt.

Der zweite Beschluss (zum sogenannten „Forex – Essex-Express-Kartell“) sieht eine Geldbuße von insgesamt 257.682.000 EUR gegen Barclays, RBS und MUFG Bank (zuvor Bank of Yokyo-Mitsubishi) vor.

UBS ist zwar Adressat beider Beschlüsse, wurde aber nicht mit einer Geldbuße belegt, da es die Kommission über das Bestehen der Kartelle informiert hat.

Manipulierter Währungshandel

Die Begriffe „Devisen“ bzw. „Forex“ beziehen sich auf den Währungshandel. Tauschen Unternehmen große Beträge einer bestimmten Währung in eine andere, tun sie dies in der Regel über einen Devisenhändler. Zu den Hauptkunden der Devisenhändler zählen Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Hedgefonds, Großunternehmen und andere Banken.

Devisenkassageschäfte werden am selben Tag zum geltenden Wechselkurs ausgeführt. Die liquidesten und meistgehandelten Währungen weltweit sind Euro, Pfund Sterling, japanischer Yen, Schweizer Franken, US-, kanadischer, neuseeländischer und australischer Dollar sowie dänische, schwedische und norwegische Krone.

Die Untersuchung der Kommission ergab, dass einzelne Händler, die für den Forex-Kassahandel mit diesen Währungen für Rechnung der betreffenden Banken zuständig sind, sensible Informationen und Handelsabsichten austauschten und ihre Handelsstrategien von Zeit zu Zeit über verschiedene professionelle Online-Chatrooms koordinierten.

Unerlaubte Absprachen in Chatrooms

Die meisten Händler, die an den Chatrooms teilnahmen, kannten sich persönlich – so wurde z. B. ein Chatroom Essex Express ‘n the Jimmy genannt, weil mit Ausnahme von „James“ alle Händler in Essex lebten und sich in einem Zug nach London trafen. Einige Händler richteten die Chatrooms ein und forderten dann je nach Handelstätigkeit und persönlichen Affinitäten weitere Händler zur Teilnahme auf. So schafften sie auf Vertrauen basierende geschlossene Kreise.

Die Händler, die direkte Wettbewerber waren, loggten sich in der Regel für den gesamten Arbeitstag in multilaterale Chatrooms auf Bloomberg-Terminals ein und führten einen umfassenden Austausch zu einer Vielzahl von Themen; dabei übermittelten sie auch aktuelle Informationen über ihre Handelstätigkeit.

Zwei Kartelle

Die Untersuchung der Kommission ergab, dass zwei getrennte Zuwiderhandlungen in Bezug auf den Devisenkassahandel vorlagen:

Die Three-Way-Banana-Split-Zuwiderhandlung beinhaltet den Austausch in drei verschiedenen, aufeinanderfolgenden Chatrooms („Three way banana split / Two and a half men / Only Marge“) zwischen Händlern von UBS, Barclays, RBS, Citigroup und JPMorgan. Die Zuwiderhandlung begann am 18. Dezember 2007 und endete am 31. Januar 2013.

Die Essex-Express-Zuwiderhandlung umfasst den in zwei Chatrooms („Essex Express ‘n the Jimmy“ und „Semi Grumpy Old men“) erfolgten Austausch zwischen Händlern von UBS, Barclays, RBS und Bank of Tokyo-Mitsubishi (jetzt MUFG Bank). Die Zuwiderhandlung begann am 14. Dezember 2009 und endete am 31. Juli 2012.

Geldbußen

Gegen die einzelnen Unternehmen wurden die unten angeführten Geldbußen verhängt:

THREE WAY BANANA SPLIT

Unternehmen

Ermäßigung nach der Kronzeugenregelung

Ermäßigung nach der Vergleichsmitteilung

Geldbuße (€)

UBS

100 %

10 %

0

Barclays

50 %

10 %

116 107 000

RBS

30 %

10 %

155 499 000

Citigroup

20 %

10 %

310 776 000

JPMorgan

10 %

10 %

228 815 000

TOTAL

811 197 000

ESSEX EXPRESS

Unternehmen

Ermäßigung nach der Kronzeugenregelung

Ermäßigung nach der Vergleichsmitteilung

Geldbuße (€)

UBS

100 %

10 %

0

Barclays

50 %

10 %

94 217 000

RBS

25 %

10 %

93 715 000

MUFG Bank

10 %

69 750 000

TOTAL

257 682 000

(Quelle: EU-Kommission)

Autoren

Redaktion

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