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Brüssel will „Schattenbanken“ stärker kontrollieren

Die EU nimmt Kreditgeber außerhalb des Bankensektors ins Visier. Binnenmarktkommissar Barnier hat einen Prozess zur Ausarbeitung eines neuen Regulierungsrahmens für diese sogenannten „Schattenbanken“ angestoßen.
Von Redaktion
20. März 2012

Als Konsequenz aus der Krise hat die EU eine Reihe von Reformen im Finanzsektor vorgenommen, insbesondere bei den Banken. Nun wird geprüft, wie auch Nicht-Banken oder Schattenbanken, die ebenfalls Kredite vergeben, am besten zu regulieren sind. Denn Brüssel befürchtet, dass auch Schattenbanken die langfristige Finanzstabilität gefährden könnten, indem sie eine Akkumulierung unbekannter Risikofaktoren im Finanzsystem bewirken und den regulären Bankensektor „anstecken“.

Die EU müsse daher ihren Wissensstand über den Schattenbanksektor vergrößern und überlegen, welche Art von Regulierung und Aufsicht auf welcher Ebene für sie angemessen sein könnte, so Binnenmarkt- und Dienstleistungskommissar Michel Barnier.

Was sind „Schattenbanken“?

Als mögliche Schattenbanken/Schattenbankgeschäfte angesehen werden können u.a.:

  • Geldmarktfonds (Money Market Funds, MMF) und andere Arten von Investmentfonds oder –produkten mit einlageähnlichen Charakteristika

  • Investmentfonds, die Kredite zur Verfügung stellen oder mit Fremdmitteln arbeiten, einschließlich börsengehandelter Fonds (Exchange Traded Funds, ETF) und Hedgefonds

  • Finanzierungsgesellschaften und Wertpapierhäuser, die Kredite oder Kreditgarantien bereitstellen oder Liquiditäts- und/oder Fristentransformationen vornehmen, ohne dabei der gleichen Regulierung zu unterliegen wie eine Bank

  • Versicherer und Rückversicherer, die Kreditprodukte auflegen oder garantieren.

  • Verbriefungen und Wertpapierleih- und Pensionsgeschäfte (Repos).

In einem am gestrigen 19. März 2012 vorgelegten Grünbuch wird dargelegt, inwieweit die Tätigkeiten von Schattenbanken bereits durch bestehende und vorgeschlagene EU-Rechtsvorschriften abgedeckt sind. Gemeinsam mit dem Rat für Finanzstabilität (Financial Stability Board, FSB), den Standardsetzungsgremien und den einschlägigen EU-Aufsichts- und Regulierungsbehörden will die Kommission nun die bestehenden Maßnahmen überprüfen und eine Vorgehensweise vorschlagen, die eine umfassende Beaufsichtigung des Schattenbankwesens gewährleistet.

Interessierte Kreise (Finanzexperten, Wissenschaftler, Gewerkschafter, etc.) können sich bis zum 1. Juni 2012 an der Konsultation beteiligen. Am 27. April findet in Brüssel eine Konferenz zum Thema Schattenbankwesen statt.

(PM, kp)

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