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3. Compliance Netzwerktreffen: Zu Gast bei Siemens

Zum 3. Compliance Praxis Netzwerkevent trafen sich am 5. Juli in der Siemens City in Wien rund 100 Compliance-Experten. Als Keynote Speaker referierte Peter Y. Solmssen, General Counsel der Siemens AG, über Compliance-Erfahrungen und -Strategien in seinem Konzern.
Von Redaktion
06. Juli 2011

Gastgeber des 3. Compliance Praxis Netzwerktreffens war Siemens Österreich, der Rahmen des Events die „Siemens City“ im 21. Bezirk. Trotz Ferienzeit und städtischer Randlage folgten über 100 Compliance-Experten der Einladung von LexisNexis.

Für den Verlag LexisNexis ist das Thema Compliance wichtig für die Zukunftsstrategie, unterstrich Dr. Gerit Kandutsch in ihren einleitenden Worten.

Im Namen des Gastgebers Siemens begrüßten Reinhard Pinzer (CFO, Siemens Österreich), Dr. Armin Toifl (General Counsel, Siemens Österreich) und Walter Sölle (Regional Compliance Officer, Siemens Österreich) die Gäste. Sie stellten die Geschäftsfelder des Wiener Standorts vor und vermittelten den Geist des Unternehmens: Der spiegelt sich nicht zuletzt in der Anlage der „Siemens City“ in Wien Floridsdorf, einem offen gestalteten "Green Building", bei dessen Konzeption die Planer ganz auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gesetzt haben.

Solmssen: Was bei Siemens anders wurde

Peter Y. Solmssen blickte in seinem Vortrag auf die turbulenten letzten Jahre der Unternehmensgeschichte zurück und damit zwangsläufig auf die Schmiergeldaffäre von vor fünf Jahren.

Bis 2006 war der Weltkonzern fast ausschließlich als hochinnovatives Technologieunternehmen in den Medien präsent. Im November 2006 wandelte sich dieses Bild schlagartig, als eine Hundertschaft bayerischer Beamter die Büros der Konzernzentrale in München umkrempelten, um schließlich einen der größten Korruptionsfälle der Wirtschaftsgeschichte aufzudecken.

In dieser Situation griffen einige Aufsichtsräte „mutig“ ein, sagt Solmssen – durchaus auch gegen Widerstand in den eigenen Reihen. Die größte Gefahr drohte der Firma dabei nicht durch Bußgelder, sondern durch den strafweisen Ausschluss von öffentlichen Vergabeverfahren.

In den Wochen und Monaten nach den „Dawn Raids“ war nicht weniger als jeder fünfte Siemensmitarbeiter in die Aufarbeitung der Vorkommnisse involviert – eine „unheimlich große Anstrengung“, wie Solmssen betont.

Peter Y. Solmssen

Peter Y. Solmssen, © Siemens-Pressebild
Peter Y. Solmssen
Peter Y. Solmssen ist seit Oktober 2007 Mitglied des Vorstands und General Counsel der Siemens AG und leitet in dieser Funktion auch die Abteilung Corporate Legal and Compliance. Der gebürtige Amerikaner mit deutschen Wurzeln absolvierte Studien in Harvard, Oxford und an der Universität von Pennsylvania. Vor seinem Eintritt bei Siemens war er zwischen 1998 und 2007 in verschiedenen Bereichen der General Electric Company und zuvor als Rechtsanwalt tätig.

Glücksgriff Theo Waigel

Bereits 18 Monate später schaffte der Konzern die Einigung mit den Behörden. Die in der öffentlichen Wahrnehmung horrend hohen Bußgelder fielen in Wirklichkeit um 85 Prozent geringer als befürchtet aus.

Eine Auflage der Behörden bestand darin, dem Vorstand einen sogenannten „Compliance-Monitor“ beizustellen. Mit dem ehemaligen deutschen Minister Dr. Theo Waigel gelang laut Solmssen ein Glücksgriff: Der Bayer genießt in Deutschland hohes Ansehen und konnte innerhalb des Konzerns das Vertrauen in die neu eingerichteten Compliance-Strukturen stärken.

Es ist kein Geheimnis, dass die Person Peter Y. Solmssens – ein Amerikaner, noch dazu abgeworben vom Konkurrenten General Motors (GM) – bei den „Siemensianern“ anfangs auf Vorbehalte stieß.

"Faule Äpfel"

Hat sich die Unternehmenskultur von Siemens während der letzten fünf Jahre also geändert und was hat sich verändert? Das Geschäft laufe jedenfalls besser als je zuvor, unterstreicht der Amerikaner mit deutschen Wurzeln. Aber: Natürlich gibt es in einem Konzern mit 400.000 Mitarbeitern schwarze Schafe oder "bad apples".

Mit dem jüngsten Fall in Kuweit (gegen Siemens-Mitarbeiter wird wegen Korruption ermittelt) hat der Leiter der Abteilung Corporate Legal and Compliance naturgemäß „keine Freude“. Allerdings sei die Geschichte durch einen Whistleblower aufgeflogen, der ohne die vorhandenen Hinweisgebersysteme innerhalb des Unternehmens wohl geschwiegen hätte.

Für gefährlicher als die reine Gier nach ein paar Euro Schmiergeld hält Solmssen „bad judgement“ – also das Eingehen zu hoher Risiken auf der Grundlage falscher Einschätzungen.

"Collective Action"

Den nächsten Schritt in der Compliance-Strategie von Siemens lautet "Collective Action": Eine Allianz mit den größten Mitbewerbern gegen korrupte Methoden in schwierigen Märkten, um dem „Gefangenendilemma“ der Korruption zu entkommen. Freilich müssen diese Prozesse juristisch sehr engmaschig betreut werden, um jeden Verdacht auf Absprachen von vorneherein auszumerzen.

Letztlich hätte die Unternehmenskultur bei Siemens aber nie geändert werden müssen, so Peter Y. Solmssen abschließend. Schon in einem Text von 1860 habe Werner von Siemens – im Zusammenhang mit Russlandgeschäften – die Notwendigkeit, dass zur Anbahnung von Geschäften in bestimmten Märkten Bestechung unumgänglich sei, kategorisch verneint.

Bildgalerie 1: Am Podium

Bildgalerie 2: Networking

 

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