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Eine Frage der Perspektive 1/2021

Im Corruption Perception Index (CPI) 2020 von Transparency International liegt ­Österreich bei den europäischen Staaten nur im Mittelfeld und ist insgesamt auf Platz 15 abgerutscht. Wie aussagekräftig ist der CPI aus Ihrer Sicht und wie hilfreich ist er für Sie als Compliance Professional?
Von Mag. Klaus Putzer
27. Februar 2021 / Erschienen in Compliance Praxis 1/2021, S. 6
Laura Ioana Santa _ REHAU GmbH, © REHAU GmbH

Laura-Ioana Şanta

Compliance-Managerin,
REHAU-Gruppe

Der CPI gilt als wichtige Orientierung zur Korruptionslage in den einzelnen Ländern und wird im Compliance-Bereich oft als Indikator verwendet. Korruption ist ein Fokusbereich jedes Compliance-Management-Systems. Selbst wenn der CPI sich nur auf den öffentlichen Sektor (Verwaltung und Politik) bezieht, ist er hilfreich, weil sich die systemische Korruption meistens auch im privaten Sektor widerspiegelt. Das CPI-Ranking ist das einzige Ranking, das sich weltweit mit Korruption auseinandersetzt, und gilt als Kriterium in der generellen Compliance-Risikobeurteilung eines Landes. Der CPI ist daher wichtig bei Compliance-Standardprozessen wie etwa Risk Assessment, Geschäftspartnerüberprüfung, gezielte Compliance-Maßnahmen. Man sollte allerdings den CPI nicht als einzigen Indikator anwenden, denn in einigen Ländern gibt es trotz guter Positionierung im Ranking Korruptionsfälle mit Schäden in Millionenhöhe. Somit ist in jedem Einzelfall das Gesamtbild zu betrachten.

 

Manfred Klika, © Klika

Mag. Manfred Klika, LL.M. (London)

Group Compliance Officer,
TTTech ­Computertechnik AG

Der CPI ist meiner Meinung nach ein plakatives Instrument, um Korruption sichtbar zu machen. Welche Bedeutung man dem CPI als Compliance Tool zumisst, kommt aus meiner Sicht ein wenig darauf an, wofür er verwendet werden soll. Für eine Evaluierung des Korruptionsrisikos im eigenen Unternehmen ist der Index zu generalisierend. Darüber hinaus lässt er sich auch nicht branchenübergreifend anwenden, da er bloß den öffentlichen Sektor erfasst. Der Index ist daher in meinen Augen ein Ausgangspunkt, kann aber niemals eine eingehende und unternehmensspezifische Risikoanalyse ersetzen. Nach meinem Dafürhalten ist das auch gar nicht sein Anspruch. Wenn man den Index jedoch in Schulungen oder Awareness-Trainings verwendet, dann ist er ein sehr wertvolles Instrument. Er regt zur Diskussion an und schafft eine gute Plattform für Korruptionsprävention. Dafür verwende ich den CPI sehr gerne.

 

Martin Eckel_Taylor Wessing, © Taylor Wessing

Mag. Martin Eckel, LL.M.

CEE Head of Compliance und ­Competition, EU & Trade,
Taylor Wessing

Da korrupte Verhaltensweisen zumeist im Verborgenen geschehen, ist die Datenlage hinsichtlich der Verbreitung von Korruption innerhalb eines Landes gering und Korruption kaum „messbar“. Auch die Zahl der tatsächlichen Verurteilungen ist wenig aussagekräftig. Mit Hinblick darauf ist der CPI ein wichtiger Indikator, dem in der Compliance-Praxis, insbesondere bei der Durchführung von Compliance-Risikoanalysen und der Due Diligence von Business Partnern hohe Bedeutung zukommt. Der CPI gibt gleichsam die „Stimmungslage“ betreffend Korruption in einem Land wieder. So sind etwa Geschäftsbeziehungen mit einem Business Partner aus einem Land mit einer höheren „Korruptionsgeneigtheit“ sorgfältiger zu beurteilen. Im Lichte dessen ist das neuerliche Abrutschen Österreichs im Ranking besonders kritisch zu betrachten.

Autoren

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Mag. Klaus Putzer

Mag. Klaus Putzer ist herausgebender Chefredakteur von „Compliance Praxis“ – Magazin und Portal. Zuvor war er in mehreren Verlagen als leitender Redakteur im Magazinbereich beschäftigt bzw. als fre...