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Steuerhinterziehung: PANA-Komitee attackiert UEFA und FIFA

Mitglieder des europäischen PANA-Komitees gegen Geldwäsche, Steuervermeidung und Steuerhinterziehung kritisieren UEFA und FIFA scharf. Trotz ihrer Ethikkodizes würden die Fußballverbände Spitzenspieler wie Messi, die in großem Stil Steuern hinterzogen haben, weiter hofieren. Das sei doppelzüngig.
Von Redaktion
27. September 2017

Bei einer Anhörung vor dem PANA-Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments gegen Geldwäsche, Steuervermeidung und Steuerhinterziehung weigerten sich Vertreter des europäischen Fußballverbands UEFA und des Weltfußballverbands FIFA Fußballspieler öffentlich zu verurteilen, die der massiven Steuerhinterziehung überführt bzw. angeklagt sind.

Trotz einer harten Befragung durch EU-Abgeordnete – einschließlich des Vorwurfs, ein „korruptes System“ zu stützen – konnten sich die UEFA- und FIFA-Vertreter nicht dazu durchringen, Spieler wie Christiano Ronaldo oder Lionel Messi zu kritisieren.

Messi und sein Vater sind schuldig befunden worden, dem spanischen Staat 4,1 Mio. Euro an Steuern vorenthalten und in Briefkastenfirmen in Belize und Uruguay versteckt zu haben. Ronaldo muss sich derzeit vor Gericht gegen die Anklage wehren, 14,7 Mio. Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Fair Play, faire Steuern?

Einer der Mit-Berichterstsatter des PANA-Komitees, Jeppe Kofod, tadelte den laxen Umgang des FC Barcelona angesichts der Verurteilung Messis. Er verwies auf eine Social-Media-Kampagne mit dem Hashtag „#WeAreAllLeoMessi“, die nach Messis Verurteilung gestartet worden war.

„Sie sind für ein faires Spiel, sollten Sie da nicht auch für faire Steuern sein?“ fragte Kofod Kimberly Morris, Leiterin der weltweiten Transfer- und Compliance-Abteilung der FIFA, und Julien Zylberstein, Legal Counsel bei der UEFA. Beide Repräsentanten gingen nicht auf die Aufforderungen ein, Clubs oder Spieler zu brandmarken, Morris verwies vielmehr auf die Zuständigkeit der Steuerbehörden. Julien Zylberstein sagte: „Wir sind überzeugt, dass Steuerhinterziehung eine Bedrohung der sozialen Werte des Fußballs und der Integrität der Sportwelt darstellt. Unabhängig davon haben sich darum die Steuerbehörden zu kümmern.“

Der Vorsitzende des PANA-Komitees, Werner Langer, fasste die Antworten als „nicht wirklich befriedigend“ zusammen.

„Doppelzüngigkeit“ bei UEFA und FIFA?

In Langers Einschätzung fanden sich viele Abgeordnete wieder. Auch Louis Michel bezichtigte die beiden Funktionäre, ein „herrliches Beispiel für Heuchelei“ abzugeben. „Sie stellen sich völlig gegen jene Werte, die Sie behaupten zu verteidigen“, sagte er.

Der Journalist Merjin Rengers, der an den „Football Leaks“ mitgewirkt hatte, merkte an, dass der Wunsch, Steuern zu vermeiden, im Spitzenfußball „epidemisch“ sei und bei den wichtigsten Vereinen, Spielern und Agenten weit verbreitet. Weiter äußerte Rengers Bedenken über den Mangel an Transparenz in Bezug auf die Auslagerung von zu versteuernden Vermögenswerten an Agenten, Treuhänder oder Investoren.

Schließlich warf ein Abgeordneter die Frage auf, ob die Compliance-Verantwortlichen bei UEFA und FIFA nicht letztlich genauso korrupt seien wie die gesamte Branche. Der UEFA-Funktionär verwies darauf, dass sein Verband 2017 eine Reihe von Reformen umgesetzt habe, u.a. sei eine Begrenzung der Amtsdauer des UEFA-Präsidenten eingeführt worden.

(Quelle: EU-Parlament)

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