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EY Fraud Survey 2018: Jüngere eher zu faulen Tricks bereit

Betrugs- und Korruptionsfälle gehen in österreichischen Unternehmen laut „EY Fraud Survey 2018“ deutlich zurück. Bei Sanktionen für Verstöße fehlen hierzulande jedoch oft klare Regeln. Erschreckend: weltweit scheinen jüngere Manager eher zu unethischem Verhalten bereit als ältere.
Von Redaktion
29. Mai 2018

Österreichische Unternehmen machen deutliche Fortschritte im Kampf gegen Betrug und Korruption: Nachdem 2016 noch fast jedes vierte Unternehmen (24%) hierzulande innerhalb der letzten zwei Jahre einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registrierte, liegt der Anteil 2018 bei nur zehn Prozent. Österreich reiht sich damit im weltweiten Mittelfeld ein. Am höchsten ist die Anzahl entdeckter Fälle in der Ukraine (36%), Kenia (26%), Belgien und Russland (jeweils 20%). Knapp dahinter rangieren Deutschland und Großbritannien mit je 18%.

Weltweit gab es seit 2016 hingegen keinen nennenswerten Rückgang von Betrugs- oder Korruptionsfällen. Der Durchschnitt liegt bei elf Prozent und damit nur um einen Prozentpunkt unter der damaligen Marke.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die über 2.550 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 55 Ländern befragt wurden, 50 davon aus Österreich.

Manager orten kaum Korruption in Österreich

 Die starke Abnahme der registrierten Fälle in Österreich zieht auch einen deutlichen Rückgang bei der durch heimische Manager wahrgenommenen Korruptionsverbreitung nach sich: Nur sechs Prozent der Manager in Österreich halten Bestechung bzw. korrupte Methoden hierzulande für weit verbreitet – das sind noch weniger als vor zwei Jahren (10%). Nur in Deutschland, der Schweiz (je 2%) sowie Finnland und Schweden (je 4%) liegt der Anteil niedriger. In Ländern wie Brasilien (96%), Kolumbien (94%) oder Nigeria (90%) sind korrupte Methoden nach Meinung der dortigen Manager dagegen an der Tagesordnung. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil bei 38 Prozent.

Österreichs Manager halten Ethik hoch – in anderen Ländern sind die Methoden weniger korrekt

 Bei der Frage nach der eigenen Hemmschwelle für unethische Handlungen, um finanzielle Einbußen für das eigene Unternehmen zu verhindern, zeigen Österreichs Manager eine sehr korrekte Einstellung: Selbst in Notlagen würde kein einziger Bargeldzahlungen leisten, persönliche Geschenke machen oder Finanzergebnisse falsch darstellen. Vier Prozent wären dazu bereit, Einladungen, zum Beispiel zum Essen oder für ein Fußballspiel, auszusprechen, um das Verhältnis zu ihren Geschäftspartnern zu verbessern.

International sieht das anders aus: 13 Prozent der Manager würden Barzahlungen leisten und fünf Prozent Finanzergebnisse falsch darstellen. Auch Einladungen (21%) oder persönliche Geschenke (11%) halten viele Manager weltweit für gerechtfertigt. Insgesamt 36 Prozent würden zu einer dieser unlauteren Praktiken greifen.

Makroökonomisches Umfeld und Cyber-Angriffe größte Risiken für Unternehmenserfolg

 Passend zu den weiteren Ergebnissen sehen österreichische Manager Betrug und Bestechung als vergleichsweise geringes Risiko (16%) für den Geschäftserfolg. Am meisten Kopfzerbrechen bereiten ihnen das makroökonomische Umfeld (60%) und Cyber-Angriffe, die gleichauf mit der Compliance mit dem Wettbewerbsrecht auf Platz zwei liegen (je 32%).

Österreich hinkt bei Sanktionen für Verstöße hinterher – kaum klare Regeln

 Allerdings hinkt Österreich im internationalen Vergleich noch bei der Ahndung von Verstößen hinterher: In nicht einmal sechs von zehn Unternehmen (58%) gibt es klare Sanktionen bei einem Verstoß gegen unternehmenseigene Compliance-Richtlinien. International ahnden knapp acht von zehn Unternehmen (78%) derartige Verstöße. Damit gehört Österreich weltweit zu jenen Ländern, in denen Vergehen vergleichsweise am wenigsten bestraft werden: Weniger strikt sind die Regeln nur in Russland (42%) sowie Luxemburg, Singapur und der Ukraine (je 52%). In China und Großbritannien haben die meisten Unternehmen (je 94%) klare Regeln.

Dementsprechend wenig Sanktionen sprachen Österreichs Unternehmen aus: So wurden in den vergangenen zwei Jahren nur in 26 Prozent der österreichischen Unternehmen Mitarbeiter, die sich nicht an die Compliance-Regeln hielten, bestraft. Weltweit ist der Anteil mit 57 Prozent mehr als doppelt so hoch. Mit weniger Sanktionen kamen nur Unternehmen in Litauen (16%) und Italien (24%) aus. Besonders kompromisslos zeigten sich die japanischen und US-amerikanischen Unternehmen, von denen 80 beziehungsweise 76 Prozent Mitarbeiter bestraften.

Jüngere eher zu unethischem Verhalten bereit

 Dass ein ethisches und mit Recht und Gesetz zu vereinbarendes Geschäftsgebaren keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt insbesondere die höhere Bereitschaft der jüngeren Generation zu unethischem Verhalten: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen vor einem Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren sagt das nur jeder achte.

„Bewusstsein für Compliance gestiegen“

„Die österreichische Wirtschaft ist inzwischen im internationalen Vergleich bei Compliance-Themen gut aufgestellt. Das Bewusstsein für dieses Thema ist infolge mehrerer größerer Fälle stark gestiegen, viele Unternehmen haben Überwachungssysteme eingeführt, die funktionieren und greifen. Natürlich gibt es auch hierzulande eine Dunkelziffer, weil kein Compliance-System der Welt lückenlos funktioniert. Aber in Ländern, in denen überwiegend ‚Kommissar Zufall‘ bei der Entdeckung von Betrugs- und Korruptionsfällen beteiligt ist, liegt die Dunkelziffer von Compliance-Fällen bedeutend höher“, fasst Andreas Frohner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY, die Ergebnisse zusammen.

(Quelle: EY)

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