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Deutschland: Studie beleuchtet Korruption bei Behörden

Eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg beziffert Schäden durch Korruption und kriminelles Verhalten im öffentlichen Dienst Deutschlands mit jährlich mehr als zwei Milliarden Euro. Korruptionsdelikte summieren sich auf mindestens 20.000 pro Jahr.
Von Redaktion
24. November 2010

Gesetzwidriges Verhalten wie Vermögens-, Urkundendelikte, wettbewerbswidrige Absprachen und Subventionsbetrug sowie Korruption sind nicht nur in der Privatwirtschaft ein Problem, sondern auch im öffentlichen Dienst. Damit befasst sich eine in ihrer Form erstmalige Studie von PwC und der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg in Deutschland. Per Telefonumfrage wurden die Aussagen von 500 Verantwortlichen aus Bundes-, Landes und Kommunalverwaltungen über ihre Erfahrungen bei Kriminalitätsbekämpfung in ihrer Behörde gesammelt und ausgewertet. Ebenso wurden 1.000 Personen über ihre Wahrnehmung des Problems „Kriminalitätsbelastung“ befragt.

Schäden geringer als in der Privatwirtschaft

20.000 Korruptionsdelikte pro Jahr und in Summe mehr als zwei Milliarden Euro Schäden, das ist die Bilanz der Studie. Zwischen 2008 und 2010 gab es bei 52 Prozent der befragten Behörden mindestens einen konkreten Verdacht auf kriminelle Handlungen oder eine nachgewiesene Straftat. 44 Prozent der an Korruptionsfällen Beteiligten sind Beamte, 16 Prozent in Leitungsfunktion, 17 Prozent im höheren Dienst. Durchschnittlich bekleiden die Täter ihre Position seit zwölf Jahren. Weiteres Ergebnis war, dass die befragten Behörden das Kriminalitätsrisiko unterschätzten, da keine Präventionsmaßnahmen getroffen wurden. Doch immerhin reagieren die Behörden konsequenter als die Privatwirtschaft: 80 Prozent der Straftaten werden zur Anzeige gebracht. Trotz allem lägen die durchschnittlichen finanziellen Schäden in der öffentlichen Verwaltung deutlich unterhalb der Schäden in der Privatwirtschaft, so die Studienautoren.

Bild in der Bevölkerung ein Zerrbild?

Alarmierend ist auch die Einstellung der Bevölkerung: 53 Prozent glaubten, dass Vermögensdelikte bei Behörden häufig vorkommen. Fast 50 Prozent meinen, dass Korruption und Unterschlagung häufig auftretende Phänomene seien. "In der Bevölkerung besteht die Wahrnehmung, dass Bestechung und Unterschlagung in öffentlichen Verwaltungen üblich sind. Dies ist – ohne die Kriminalitätsrisiken in Behörden verharmlosen zu wollen – ein Zerrbild. Doch je weniger die Bürger davon überzeugt sind, dass ihre Anliegen nach 'Recht und Gesetz' behandelt werden, desto größer ist auf Dauer die Neigung, Behördenentscheidungen anzufechten oder gar selbst Bestechungsgelder anzubieten", erklärt PwC-Partner und Forensic-Experte Steffen Salvenmoser.

Mag. Manuela Taschlmar

Autoren

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