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A.T. Kearney: Compliance-Studie im Industriesektor

Compliance ist in österreichischen Unternehmen organisatorisch noch nicht sehr stark verankert. Das geht aus einer Befragung der Unternehmensberatung A.T. Kearney unter Compliance-Fachleuten aus der Industrie hervor. Insgesamt werde die Wichtigkeit von Compliance in den nächsten Jahren stark zunehmen, heißt es in der Studie.
Von Redaktion
11. Juni 2013

Compliance – oder vielmehr die Gefahr von Nicht-Compliance – hat sich in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Thema entwickelt. Vorfälle wie das Deepwater-Horizon-Unglück haben gezeigt, wie verheerend sich Compliance-Verstöße auf den finanziellen Erfolg und das Ansehen eines Unternehmens auswirken können.

Vor diesem Hintergrund hat A.T. Kearney in einer internationalen Studie eine Positionsbestimmung der verarbeitenden Industrie vorgenommen. Dazu wurden Interviews mit Compliance-Experten aus 40 führenden Industrieunternehmen durchgeführt. Abgedeckt wurde eine Vielzahl an Branchen, Unternehmensgrößen und Regionen.

Brennpunkte Korruption, Produkt- und Datensicherheit

Ein Anstieg von Compliance-Verstößen wird am ehesten im Bereich der Korruption sowie auf den Gebieten der Produkt- und Datensicherheit erwartet. Allerdings erwartet lediglich eine Minderheit der Befragten überhaupt eine Zunahme von Verstößen: Rund 30 Prozent rechnen mit mehr Korruptionsfällen und je etwa ein Viertel glauben an eine Zunahme von Verstößen gegen die Produktsicherheit (26 Prozent) und die Datensicherheit (23 Prozent). Nur je 15 Prozent rechnen damit, dass die Zwischenfälle auf den Gebieten Wettbewerbsrecht sowie Gesundheit, Sicherheit und Umwelt zulegen werden.

Unabhängige Compliance-Abteilungen sind selten

Die meisten der befragten Unternehmen haben vor, ihre Compliance-Systeme in Zukunft weiter auszubauen. 57 Prozent der Compliance-Experten planen, dafür auf externe Unterstützung zurückzugreifen.

Eine unabhängige Compliance-Abteilung mit direktem Berichtsweg an den Vorstand haben nur die wenigsten Unternehmen. So gaben nur 39 Prozent der Befragten an, eine unabhängige Compliance-Stabstelle eingeführt zu haben. Die übrigen Unternehmen verteilen die Aufgaben auf unterschiedliche Abteilungen wie etwa die Rechts- oder die Revisionsabteilung.

Die mittleren Führungsebenen stellen Compliance-Systeme eher in Frage als das Top-Management. Während das Top-Management üblicherweise ein Compliance-System befürwortet – 68 Prozent stehen ihm positiv gegenüber – sinkt auf den unteren Management-Ebenen die Zustimmung auf gerade einmal 19 Prozent.

Obwohl 83 Prozent der Unternehmen Schulungen und Trainings anbieten, um das Bewusstsein für Compliance zu schärfen, bieten nur 23 Prozent Anreize für eine proaktive Teilnahme und nur acht Prozent setzen dabei interaktive Techniken ein.

Persönliche Haftbarkeit ist Haupttreiber für Investitionen in Compliance

„Die persönliche Haftbarkeit ist der stärkste Treiber für die Einführung eines leistungsfähigen Compliance-Systems“, führt Alexander Malkwitz, Partner bei A.T. Kearney und Studienleiter, aus. Das gaben 63 Prozent der Befragten an.

Gefolgt wird dieser Treiber von drohenden Geldstrafen, die dem Unternehmen auferlegt werden (59 Prozent).

Je 47 Prozent der Experten investiert in Compliance, um Kundenanforderungen nachzukommen oder aber ethische Verpflichtungen zu erfüllen.

Österreichische Manager „hohem Risiko ausgesetzt“

Auch in Österreich spielt das Thema Compliance laut Studie eine immer wichtigere Rolle. „Das Bewusstsein über die Bedeutung von funktionierenden Compliance-Systemen in österreichischen Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen“ erklärt Florian Haslauer, Partner und Country Head bei A.T. Kearney Österreich. „Allerdings“ so fährt er fort, „fehlt vielfach noch die organisatorische Verankerung. Die österreichischen Manager sind deshalb einem vergleichsweise hohen persönlichen Risiko ausgesetzt.“

Nordamerika hat härteste Vorschriften

Von den befragten Compliance-Managern gab knapp die Hälfte (47 Prozent) an, dass Nordamerika die härtesten Vorschriften habe. Ein Viertel der Befragten sieht diese in der Europäischen Union. Jeder Neunte benennt andere Regionen, die nach seiner Ansicht die höchsten Compliance-Anforderungen aufweisen und knapp jeder Fünfte sieht keine größeren Unterschiede zwischen den Regionen.

Timm Rehling, Berater bei A.T. Kearney und Co-Autor der Studie erklärt: „Unternehmen, die in neue Länder expandieren, sollten darauf gefasst sein, mit erheblichen Compliance-Risiken konfrontiert zu werden. Hierauf sollten sich Unternehmen sehr gut vorbereiten.“

(Quelle: A.T. Kearney / KP)

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