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Die Welt kommt nicht zur Ruhe. Neben den bekannten globalen Konfliktherden zeigen sich neue Risse, nicht zuletzt in den transatlantischen Beziehungen. Wirtschaftssanktionen werden ­weiterhin als Instrument eingesetzt werden, somit steigen die Relevanz für Trade Compliance und die ­Anforderungen an diese.
Von Dr. Johannes Leitner , Hannes Meissner Ph.D., Mag. Sophia Hossaini , Ass.iur. Ivana Sekerova
03. März 2026 / Erschienen in Compliance Praxis 1/2026, S. 8

Der Jahreswechsel ist ein Zeitpunkt, zu dem einerseits zurückgeblickt wird, das Geschehene und Getane zu beurteilen, zu evaluieren und zu resümieren.

Andererseits ist der Jahreswechsel aber auch der Zeitpunkt, an dem in die Zukunft geschaut wird, an dem versucht wird, die Entwicklungen des noch jungen Jahres zu prognostizieren und die richtigen Maßnahmen abzuleiten, um wiederum am Ende dieses neuen Jahres zufrieden auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken zu können.

Trade Compliance hat an Bedeutung gewonnen. Die politischen Rahmenbedingungen für internationalen und globalen Handel und Investitionen haben sich weiter verschlechtert. Neue Krisenherde – Ukraine, Russland, Venezuela, Israel und Palästina, Iran, China, Taiwan, die transatlantischen Beziehungen und Grönland als Beispiele – erfordern Antworten der politischen Entscheidungsträger:innen. Wirtschaftssanktionen sind neben den Zöllen der USA ein beliebtes Instrument, um auf Konflikte zu reagieren.¹ Mit Sanktionen geht für Unternehmen die Anforderung einher, diese zu verstehen, deren Konsequenzen zu evaluieren und adäquate Maßnahmen zu implementieren, um Sanktionsvergehen zu vermeiden.

Während zu Beginn des Jahres 2025 oftmals die Hoffnung – von manchen gar die Erwartung – genährt wurde, dass die Sanktionen insbesondere gegen Russland aufgeweicht werden könnten, hat sich genau das Gegenteil gezeigt.2 Wir sehen heute ein verschärftes Sanktionsregime, das umfassender ist als jemals zuvor und das auch entschlossener in der Durchsetzung ist als jemals zuvor. In Anbetracht der zunehmenden Intensität globaler Konfliktherde bringt 2026 einen Vorteil im Vergleich zu 2025: Zweifel an der weiterhin steigenden Relevanz von Trade Compliance können endgültig begraben werden. Unternehmen müssen sich nicht mehr die Frage stellen, ob sie in diesem Bereich Kompetenzen aufbauen müssen oder nicht, sondern nur noch, welche Schritte sie setzen müssen, um ein Schutzschild in Form eines Trade-Compliance-Management-Systems auf- oder auszubauen.

Doch auch die Anforderungen an ein modernes Trade-Compliance-Management-System entwickeln sich permanent weiter und werden durch die internationale Rechtsprechung Jahr für Jahr höher angesetzt. Jährliche Risikoeinschätzungen als Grundlage für KYC-Prüfungen, interne Trainings, korrekte Verträge und Code of Conducts sowie Awareness Raising Meetings etwa mit Distributionspartner:innen sind heute Standardanforderungen an ein Trade-Compliance-Management-System, damit dieses seiner Funktion als Schutzschild gerecht werden kann.

Ein weiterer Aspekt darf ebenso nicht übersehen werden: Finanzinstitute stehen unter besonderer Aufsicht der Regulationsbehörden, in Österreich der FMA. Mit 2026 übernimmt die FMA auch die Sanktionsprüfung im Bankensektor. Auf europäischer Ebene schreitet der Aufbau der AMLA (Authority for Anti-Money Laundering and Countering the Financing of Terrorism), die auch für Sanktionsdurchsetzung zuständig ist, voran. Dadurch üben Geschäftsbanken immer mehr Druck auf Unternehmen aus, eine Trade Compliance sicherzustellen, andernfalls wird mit De-Banking gedroht.

Auch aus Sicht des Compliance-Office des ÖBB-Konzerns, Österreichs größtem Mobilitäts- und Logistikdienstleister, ist ein umfassendes Trade-Compliance-Management unabdingbar. Insbesondere der internationale Güterverkehr unterliegt in zunehmendem Maße außenwirtschafts- und sanktionsrechtlichen Beschränkungen. Vor dem Hintergrund der anhaltenden geopolitischen Spannungen sowie der fortlaufenden Verschärfung und Ausweitung der Wirtschafts- und Finanzsanktionen, insbesondere güter- und dienstleistungsbezogener Handelsbeschränkungen, sektoraler Verbote sowie umfassender Embargomaßnahmen gegen Russland und Belarus, hat die Relevanz einschlägiger Trade-Compliance-Maßnahmen erheblich zugenommen. Auch die Anforderungen internationaler Finanzunternehmen und Geschäftspartner:innen an eine effektive Trade Compliance, insbesondere in Hinblick auf präventive Maßnahmen, nehmen stetig weiter zu.

Da Verstöße gegen internationale Sanktionen sowie deren vorsätzliche Umgehung für Unternehmen und die handelnden Personen, insbesondere verantwortliche Entscheidungsträger, erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen können – darunter Verwaltungsstrafen, Reputationsschäden sowie strafrechtliche Verfahren mit hohen Geld- und Freiheitsstrafen –, ist eine fundierte Kenntnis der komplexen und dynamischen Rechtslage essenziell. Nur so kann eine sachgerechte Entscheidungsfindung im Sinne einer Business-Judgement-Rule-Abwägung gewährleistet werden. Im Folgenden werden ausgewählte Best-Practice-Maßnahmen zur Risikominimierung skizziert:

  • Geschäftspartner:innen-Überprüfungen: Regelmäßige, automatisierte Screenings von Geschäftspartner:innen – einschließlich mittelbar sanktionierter, kontrollierender natürlicher und juristischer Personen – gegen einschlägige Sanktionslisten. So wird sichergestellt, dass Risiken frühzeitig erkannt und rechtssicher adressiert werden. Im Besonderen kann hierbei die rechtssichere Bewertung komplexer Beteiligungs- und Kontrollstrukturen herausfordernd sein. Hinzu kommt die eingeschränkte Verfügbarkeit, Zugänglichkeit oder Verlässlichkeit von Unternehmensinformationen in bestimmten Jurisdiktionen, insbesondere in Staaten mit begrenzter Registertransparenz oder eingeschränktem Zugang zu öffentlichen Unternehmensregistern. In solchen Fällen sind ergänzende risikobasierte Maßnahmen erforderlich, etwa vertiefte Due-Diligence-Prüfungen oder die Einholung zusätzlicher Belege. Vor diesem Hintergrund erweisen sich verbindliche Eskalations- und Freigabeprozesse sowie dokumentierte manuelle Nachprüfungen als besonders relevant. Auch bei identifizierten Treffern sind unverzüglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die von temporären Transaktions- oder Geschäftssperren bis hin zur vollständigen Auflösung der Geschäftsbeziehung reichen können.
  • Supplier Code of Conduct und vertragliche Absicherung: Einholung verbindlicher Verhaltenskodizes von Geschäftspartner:innen mit besonderem Fokus auf die Einhaltung von sanktionen­rechtlichen Vorgaben vor Begründung der Geschäftsbeziehung. Vorverlagerte vertragliche Regelungen (etwa Sanktions-, Compliance- und Kündigungsklauseln) ermöglichen eine rechtssichere und vertragskonforme Suspendierung oder Beendigung der Geschäftsbeziehung ohne Haftungs- oder Reputationsrisiken.
  • Sensibilisierung: Zielgerichtete Executive Briefings zu aktuellen rechtlichen Entwicklungen für Geschäftsleitungsorgane und Führungskräfte sowie regelmäßige persönliche Schulungen für Mitarbeiter:innen, ggf ergänzt durch maßgeschneiderte E-Learning-Programme.
  • Transportbezogene Überprüfungen: Rechtliche Bewertung außenwirtschafts-, sanktions- und exportkontrollrechtlich relevanter Transportaktivitäten mittels IT-gestützter, automatisierter Kontrollen mit nachgelagerten manuellen Prüfungen. Dabei sind sowohl die transportierten Güter als auch die Ursprungs- und Endbestimmungsländer hinsichtlich länder- und/oder güterbezogener Restriktionen zu analysieren; potenzielle Umgehungskonstellationen sind zu berücksichtigen.
  • Trade-Compliance-System-Audits: Regelmäßige, systematische und dokumentierte Evaluierung der etablierten Prozesse, Schnittstellen, Kontrollen und IT-Systeme zur Sicherstellung der Wirksamkeit und Angemessenheit des Trade-Compliance-Management-Systems. Eine risikobasierte Überprüfung kann, aber muss nicht anlassbezogen (zB bei rechtlichen Änderungen oder identifizierten Compliance-Vorfällen) erfolgen. Festgestellte Schwachstellen sind zu adressieren, unverzüglich geeignete Abhilfemaßnahmen zu setzen und deren Wirksamkeit nachzuverfolgen.

Eine besondere Herausforderung stellt die Implementierung vollautomatisierter IT- bzw KI-gestützter Systeme dar, die eine kontinuierliche Aktualisierung und Anpassung an sich wandelnde rechtliche Rahmenbedingungen ermöglichen. Angesichts der Komplexität des Sanktionenrechts bleiben manuelle Prüfungen und Nachbearbeitungen jedoch unverzichtbar.

Angesichts der weiterhin anhaltenden und fortschreitenden globalen Konfliktdynamiken ist eine zunehmende Verschärfung in den Sanktionsregulatorien zu erwarten. Ein adäquates Trade-Compliance-Management folgt einem jährlichen Zyklus aus Risikoeinschätzung, Anpassung und Evaluierung, um der Dynamik der Sanktionsgesetzgebung und Praxis gerecht zu werden.

 

¹ Vgl Sottilotta/Campisi/Leitner/Meissner, The ­Routledge Handbook of Political Risk (2025).

² Siehe dazu Beiträge in Compliance Praxis 04/2025,
S 41; 4/2024, S 38; 3/2024, S 25.

 

Autoren

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Mag. Sophia Hossaini

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Ass.iur. Ivana Sekerova

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In Anbetracht der zunehmenden Intensität globaler Konfliktherde bringt 2026 einen Vorteil im Vergleich zu 2025: Zweifel an der weiterhin steigenden Relevanz von Trade Compliance können endgültig begraben werden. Unternehmen müssen sich nicht mehr die Frage stellen, ob sie in diesem Bereich Kompetenzen aufbauen müssen oder nicht, sondern nur noch, welche Schritte sie setzen müssen, um ein Schutzschild in Form eines Trade-Compliance-Management-Systems auf- oder auszubauen.</p><p class=\"\">Doch auch die Anforderungen an ein modernes Trade-Compliance-Management-System entwickeln sich permanent weiter und werden durch die internationale Rechtsprechung Jahr für Jahr höher angesetzt. 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Vor diesem Hintergrund erweisen sich verbindliche Eskalations- und Freigabeprozesse sowie dokumentierte manuelle Nachprüfungen als besonders relevant. Auch bei identifizierten Treffern sind unverzüglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die von temporären Transaktions- oder Geschäftssperren bis hin zur vollständigen Auflösung der Geschäftsbeziehung reichen können. </li><li><b>Supplier Code of Conduct und vertragliche Absicherung:</b> Einholung verbindlicher Verhaltenskodizes von Geschäftspartner:innen mit besonderem Fokus auf die Einhaltung von sanktionen­rechtlichen Vorgaben vor Begründung der Geschäftsbeziehung. 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Festgestellte Schwachstellen sind zu adressieren, unverzüglich geeignete Abhilfemaßnahmen zu setzen und deren Wirksamkeit nachzuverfolgen.</li></ul><p class=\"\">Eine besondere Herausforderung stellt die Implementierung vollautomatisierter IT- bzw KI-gestützter Systeme dar, die eine kontinuierliche Aktualisierung und Anpassung an sich wandelnde rechtliche Rahmenbedingungen ermöglichen. Angesichts der Komplexität des Sanktionenrechts bleiben manuelle Prüfungen und Nachbearbeitungen jedoch unverzichtbar. </p><p class=\"\">Angesichts der weiterhin anhaltenden und fortschreitenden globalen Konfliktdynamiken ist eine zunehmende Verschärfung in den Sanktionsregulatorien zu erwarten. Ein adäquates Trade-Compliance-Management folgt einem jährlichen Zyklus aus Risikoeinschätzung, Anpassung und Evaluierung, um der Dynamik der Sanktionsgesetzgebung und Praxis gerecht zu werden. </p><p class=\"\">&nbsp;</p><p class=\"\">¹ Vgl Sottilotta/Campisi/Leitner/Meissner, The ­Routledge Handbook of Political Risk (2025).</p><p class=\"\">² Siehe dazu Beiträge in Compliance Praxis 04/2025, <br> S 41; 4/2024, S 38; 3/2024, S 25.</p><p class=\"\">&nbsp;</p>","sidecolumn":null,"storiesmain":null,"storiesoverview":null,"headerimage":"<div class=\"card content-teaser clearfix \">\n <img src=\"/Themen/Themenspecial/Trade_Compliance/AdobeStock_1869070473_Yuparet_KI.jpeg\" class=\"card-img\" alt=\"Container Hafen, © AdobeStock_1869070473_Yuparet_KI\">\n <div class=\"\">\n <div class=\"card-img-overlay\" title=\"© AdobeStock_1869070473_Yuparet_KI\">\n <div class=\"card-header bg-white rounded-0 border-0 col-12 col-sm-11 col-md-8 col-lg-6\">\n <h1 class=\"card-title color-black\">Alles bleibt anders: Anforderungen an ein effektives Trade-Compliance-Management-System</h1>\n </div>\n </div>\n </div>\n</div>\n","headertitle":"","stoerercontainer":null,"stoerercontainer2":null,"stoererwerbebanner":"","insiderheads":null,"overviewunternehmenimage":null,"overviewunternehmentitle":null,"buttonviewall1":null,"buttonviewall2":null,"superelement":null,"topstory":null,"netzwerkpartnerlogoleiste":"","metadata":"<div class=\"info\"><eval>>partials/themes-startpage/newsauthors data=(renderNewsAuthors \"599:johannes-leitner@autorenprofil.at,627:hannes-meissner@autorenprofil.at,714:sophia.hossaini@autorenprofil.at,715:ivana.sekerova@autorenprofil.at\" userinfo)</eval>\n<br>03. 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