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BMW, Daimler und Audi dürfen Kartendienst HERE von Nokia übernehmen

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme des bislang zum finnischen Nokia-Konzern gehörenden Kartendienstes HERE durch ein Konsortium der deutschen Automobilhersteller BMW, Daimler und Audi freigegeben. Hochpräzise digitale Karten werden als entscheidender Baustein für das vernetzte und automatisierte Fahren der Zukunft angesehen.
Von Redaktion
07. Oktober 2015

HERE erstellt digitale Kartendatenbanken, die in Verbindung mit einer Navigationssoftware bislang vor allem Grundlage für klassische Navigationsanwendungen sind. HERE beliefert hierzu schwerpunktmäßig Abnehmer der Automobil- und Zulieferindustrie mit den für die Navigation erforderlichen Karten. Zu den Kunden gehören daneben Smartphone- und Tablet-Hersteller sowie Unternehmen mit Flottenmanagement. Künftig werden die digitalen Karten in Zusammenspiel mit den in den Fahrzeugen verbauten Sensoren, die eine Aktualisierung der Karten in Echtzeit erlauben werden, nach Ansicht der Automobilindustrie eine wesentliche Voraussetzung für das automatisierte Fahren sein.

Navigationsdaten: Nur drei Wettbewerber

HERE und das niederländische Unternehmen TomTom sind neben Google die einzigen Unternehmen, die digitale navigationsfähige Daten mit geografischer Abdeckung der Gebiete des EWR herstellen. Aufgrund seiner eigenen Strategie zur Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge steht das Unternehmen Google den Automobilherstellern bislang nicht als potenzieller Lieferant von digitalem Kartenmaterial zur Verfügung. Auch bei Apple sind die in diesem Bereich verfolgten Pläne noch nicht genau absehbar.

Gefahr der Abschottung nicht gegeben

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erklärt zur Entscheidung seiner Behörde: „Unsere Prüfung konzentrierte sich auf die Frage, ob der Zusammenschluss eine Abschottung anderer Automobilhersteller von digitalen Karten bewirken könnte oder ob dem HERE-Wettbewerber TomTom der Zugang zu Automobil- und Zulieferunternehmen künftig verwehrt sein könnte. Derartige Abschottungseffekte konnten wir ausschließen, weil zum einen automobile Kunden nach wie vor die digitalen Karten alternativ von TomTom beziehen können und auch zu erwarten ist, dass ihnen an dem Erhalt dieser Alternative gelegen ist. TomTom, das bisher mit den erwerbenden Herstellern nur geringe Geschäftsbeziehungen unterhielt, ist auch künftig nicht gehindert, seine Produkte an sonstige Autohersteller zu vertreiben.“

TomTom nicht benachteiligt

Die Autohersteller könnten also – bei Einsatz entsprechender Sensoren in ihren Fahrzeugen – auch in Zusammenarbeit mit TomTom die Anwendung des autonomen Fahrens entwickeln.

Die Freigabe erfolgte unter der Maßgabe der deutschen Zuständigkeit. Eine Zuständigkeit der Europäischen Kommission wäre laut Bundeskartellamt angesichts der Umsatzerlöse der beteiligten Unternehmen im Falle einer gemeinsamen Kontrolle über HERE gegeben. Die Prüfung der Kontrollverhältnisse durch die Kommission konnte in der deutschen Monatsfrist allerdings nicht abgeschlossen werden.

(Quelle: Bundeskartellamt)

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