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18. Compliance Netzwerktreffen: Compliance-Herausforderungen im internationalen Umfeld

Rund 50 Gäste folgten der Einladung von LexisNexis und der ams AG nach Unterpremstätten bei Graz. Geboten wurden interessante Einblicke in ein weltweit tätiges österreichisches Hightech-Unternehmen, das vor allem für globale Marktführer produziert.
Von Redaktion
19. Juni 2015

Die ams AG ist seit einem Jahr Mitglied im Compliance Netzwerk Österreich. Nun lud sie zum 18. Netzwerktreffen in ihre Firmenzentrale südlich von Graz ein. Bereits zum dritten Mal – nach Linz und Salzburg – machte ein Netzwerktreffen damit außerhalb der Bundeshauptstadt Station, stellte Mag. Heinz Wlzek, Leiter Strategie, Programm- und Produktmanagement bei LexisNexis, in seiner Begrüßung fest.

Erzählt Mag. Michael Wachsler-Markowitsch vom Unternehmen, für das er seit über zehn Jahren als CFO im Vorstand tätig ist, bekommt man den Eindruck, dass hier intensiv an der Zukunft gebastelt wird. Die ams AG, ehemals Austrianmicrosystems, stellt seit Anfang der 80er Jahre analoge Halbleiter her. Diese Mikrochips finden sich in zahlreichen Zukunftstechnologien, wie etwa in autonom fahrenden Autos, mobilen Kommunikationsgeräten oder Sensoren zur Messung von Körperfunktionen. „Bald werden Diabetiker sich zur Bestimmung des Blutzuckers kein Blut mehr abnehmen brauchen“, so Wachsler-Markowitsch. Körperdaten würden kontinuierlich gemessen, die Daten automatisch an den Hausarzt gesendet werden können – Visite nicht mehr nötig. Auch das Google Car komme nicht ohne Sensoren aus, die die menschlichen Sinne ersetzen und dabei weit präziser und schneller arbeiten.

Rund 50 Gäste lauschten der einleitenden Präsentation des CFO in der ams-Zentrale in Unterpemstätten. Der Gebäudekomplex wird gerade erweitert, denn die Firma wächst rasant. Die Technologie aus Österreich ist weltweit sehr gefragt. Einerseits am Consumer-Markt (Smartphones, GoPro-Kameras etc.) andererseits in den Sparten Medizin und Industrie, für die jeweils mit sehr unterschiedlichen Designs und Stückzahlen produziert wird.

„Juwel des Unternehmens“

Nicht verwechseln darf man analoge Halbleiterchips mit ihren digitalen Verwandten. Die Entwicklung analoger Chips, die vor allem in Sensoren zum Einsatz kommen, ist ungleich aufwändiger und verlangt hohes Know-how. Die 500 analogen Ingenieure, die für die ams tätig sind, gelten daher als „Juwel des Unternehmens“. Schließlich benötigen diese Spitzenkräfte – nach Abschluss eines einschlägigen Studiums – noch einmal sechs bis acht Jahre „Training on the Job“, bis sie voll an der Entwicklung von Schaltkreisen mitwirken können.

„Die Zürcher Börse hat transparente Regeln“

Im Anschluss gab Mag. Wachsler-Markowitsch gemeinsam mit General Counsel Dr. Jann Siefken auch Einblicke in die Compliance-Struktur des Unternehmens. Dr. Armin Toifl, Mitherausgeber der Compliance Praxis, leitete das Gespräch und wollte zunächst wissen, weshalb die steirische ams an der Zürcher Börse gelistet ist, was auf den ersten Blick ja etwas ungewöhnlich wirkt. Tatsächlich war die ams an der Wiener Börse beheimatet, bevor eine 280-Millionen-Euro-Investition in das Fabrikgelände (bei einem Umsatz von bloß 80 Mio. Euro) einen Börsenaustritt und die Finanzierung über einen Private Equity Fonds sinnvoller erscheinen ließen. Nach Abschluss des Projekts ging man dann aus mehreren Gründen nach Zürich, so der CFO: Einerseits hielt man das Umfeld in Wien für nicht passend, London und New York waren weit weg und in Frankfurt hatte der Technologiemarkt gerade einen „Bauchfleck“ hingelegt. In der Schweiz waren andererseits die Investmentbank und Kunden situiert, und die Schweizer Börse zeichnete sich durch klare Regeln und hohe Transparenz aus. Daher Zürich, wo die Firma ihren Börsenkurs innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verzehnfachen konnte.

„Verstehen uns nicht als Sheriff“

Compliance ist bei der ams rund um das vom General Counsel geleitete „Compliance Board“ organisiert. Neben Legal sind hier Vertreter von IT und HR vertreten, da für die Schaffung einer Compliance-Awareness bei den Mitarbeitern mit Hilfe von Schulungen diese beiden Abteilungen unabdingbar sind. Die durchgehende Überwachung aller Mitarbeiter stehe dagegen nicht im Zentrum der Compliance-Bemühungen, erklärt Mag. Wachsler-Markowitsch: „Kontrolle wird hinsichtlich Compliance etwas überbewertet.“ Besser sei es, Awareness zu schaffen. So herrscht bei der ams auch gegenüber Hinweisgebersystemen Skepsis. „Whistleblowing ist eine Einladung zum Mobbing“, ist General Counsel Siefken überzeugt. „Wir verstehen uns nicht als der Sheriff. Sonst enden wir in einem Unternehmen, in dem ich nicht arbeiten möchte.“

Auch bei den Compliance-Themen unterscheidet sich der Technologiekonzern von andern Unternehmen. Im Fokus der Compliance-Arbeit stehen nicht wie so oft Korruptionsbekämpfung und Kartellrecht. Die Risiken sieht man eher bei Umweltthemen, Finanzen, Qualitätssicherung und Sicherheit. „Mit unseren Chemikalien könnten wir halb Österreich vergiften“, so Jann Siefken. Umso höher sind die Standards, die auch von den Kunden – zum Großteil Global Player – eingefordert werden.

„Datenschutz ist Teil unserer DNA“

Meist entspricht die ams den Vorgaben von Kunden auch, etwa in Sicherheits- und Geheimhaltungsfragen, auch wenn hier sehr viel verlangt wird. Wenn es um neue Funktionen von Applikationen, Produktionsmengen oder Preise geht, sei beispielsweise ein „Kunde aus Kalifornien“ äußerst sensibel. Was da in Mitarbeiter-Vereinbarungen hineinreklamiert wird, sei ungewöhnlich. In Sachen Datenschutz schiebt allerdings der europäische Gesetzgeber amerikanischer Datensammelwut einen Riegel vor. Da sind Vorgaben aus den USA schlicht nicht umsetzbar.

Auch aus einem anderen Grund liegt der Datenschutz „in der DNA der ams“, betont Wachsler-Markowitsch: „Wir entwickeln nicht nur eigene Produkte, sondern stellen unsere Produktionsprozesse auch Dritten zur Verfügung. Es wäre tödlich, wenn zutage käme, dass wir von Mitbewerbern etwas abkupfern.“ Als einen problematischen Trend, der aus den USA nach Europa schwappt, sieht er die steigenden Geldbußen, etwa bei Kartellverstößen. Eine indirekte Folge daraus: „Das Gehalt des Managements wird in Europa extrem steigen, weil die Haftungen extrem steigen. Wir überlegen daher, die Haftungssumme in der D&O-Versicherung von 10 auf 20 Mio. Euro zu erhöhen.“

Im Anschluss an das Gespräch unterhielten sich die Gäste noch angeregt bei Häppchen, Getränken und Lounge-Musik.

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