02. Juli 2025
Durchaus heiß her ging es beim sommerlichen Compliance Netzwerktreffen in Salzburg diese Woche in den Räumlichkeiten von PwC Österreich - nicht nur aufgrund der hohen Temperaturen draußen, sondern wohl auch aufgrund der aktuellen Stimmung in der Branche zum Thema OmnibusVerordnung und Co. Denn diese und zahlreiche andere ESG-Regularien von Seiten der EU sorgen aktuell nicht nur für Kopfzerbrechen, sondern vielfach auch für Frust. Durchaus verständlich, trudeln doch gefühlt wöchentlich neue Nachrichten und Postulate aus Brüssel bei den Unternehmen und Compliance-Verantwortlichen ein.
Der Omnibus kommt: Mitfahren oder nicht?
Diese Frage würden unsere Expertinnen Mag. Ulrike Regner (Leitung Nachhaltigkeitsmanagement beim Raiffeisenverband Salzburg), Alexandra Gehrke, MA (Senior Managerin Sustainability Assurance bei PwC Österreich) sowie Mag. Elisabeth Götz (Manager ESG Legal bei der ALDI SÜD KG sowie Mitherausgeberin der Compliance Praxis) eindeutig mit einem "Ja" beantworten. Denn das Thema Nachhaltigkeit ist definitiv gekommen, um zu bleiben. Aber dazu später mehr.
Der Abend startete mit einem fachlichen Impuls von Alexandra Gehrke (PwC), die einen Überblick über den aktuellen Status quo zu Omnibus, "Stop the clock"-Phase und Co gab: Derzeit gibt es seitens EU immer wieder neue Proposals und hitzige Diskussionen um diverse Schwellenwerte. Bis Mitte Oktober gibt es nun aber eine "Sommerpause". Danach folgt erst einmal die Entscheidung im so genannten JURI-Ausschuss. Nach den wichtigen Trilogverhandlungen (Q1/Q2 2026) soll die finale Veröffentlichung der Entscheidung 20 Tage später im EU-Amtsblatt erfolgen.
Klarheit, Verzögerung oder beides?
Auf die Frage, was Omnibus nun bringt - "Verzögerung oder Klarheit?" - antwortete Gehrke direkt mit der Verzögerung, die aber vor allem Unsicherheit schürt und für Frustration bei den Unternehmen sorge. Der Scope werde sich mit Sicherheit verändern, so Gehrke.
Unsicherheit ist auch die bestimmende Konstante in der Bankenbranche, wie uns Ulrike Regner anhand ihrer eigenen Erfahrungen schilderte. Der Raiffeisenverband Salzburg habe sich freiwillig und ohne externe Unterstützung eigeninitiativ dazu entschieden, nach ESRS zu berichten - allerdings eine Mammutaufgabe, die viel Arbeit bedeutete. Aus Sicht der Banken steht die Aufsichtspflicht im Vordergrund: Omnibus bringt allerdings mit sich, dass die Verfügbarkeit von Kundendaten immer schwieriger zu erreichen ist.
Elisabeth Götz (ALDI SÜD) sieht die Thematik aus der Perspektive einer Juristin. Sie muss sich in ihrem Arbeitsalltag vor allem mit unbestimmten Rechtsbegriffen auseinandersetzen. Für sie sind "Bürokratieerleichterungen" stets begrüßenswert. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang nicht nur den "einen" Standpunkt der Unternehmen, sondern viele unterschiedliche. Es brauche Bestimmtheit und Sicherheit, um eine Umsetzung erfolgreich zu bewerkstelligen.
Nachhaltigkeit: Back to the roots!
Bei all den Irrungen und Wirrungen rund um Omnibus und Co gerät der Grundgedanke der Nachhaltigkeitsberichterstattung in den Hintergrund, da ist sich das Podium einig: Welche Wertschöpfung habe ich als Unternehmen? Wie lebe ich Diversität im Arbeitsumfeld? Wie ist es beim Thema Gender Pay Gap um mein eigenes Unternehmen bestellt? Doch derzeit fehlt es eindeutig an belastbaren Daten durch eine notwendige Transparenz, die wiederum für eine Vergleichbarkeit sorgen würde.
Nichtsdestotrotz: Die "Nachhaltigkeit ist gekommen, um zu bleiben!" (Elisabeth Götz), genauso wie das Thema Compliance vor Jahren schon. Sobald aktuelle Hürden wie mangelnde Akzeptanz oder fehlende Rechtssicherheit aus dem Weg geräumt sind und dafür Klarheit, Rechtssicherheit und einem positiven Nachhaltigkeits-Mindset weichen, darf der "Omnibus munter weiterrollen".
Autoren
Mag. Christiane Jördens Bakk.
Mag. Christiane Jördens, Bakk. hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien studiert und bereits während ihres Studiums begonnen als Redakteurin, Texterin und Model zu arbeiten. A...