Compliance Praxis

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Editorial

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Wie Sie wissen, tut sich auf EU-Ebene viel im Bereich Whistleblowing. Ziel ist der einheitliche Schutz des Hinweisgebers, sowohl wenn er intern Meldungen absetzt, aber auch dann wenn er (ungehört) an die Behörden oder Medien herantritt. So weit so gut. Die Einführung einer Whistleblowing-Hotline allein ist aber nicht die Lösung. Es geht um die Implementierung einer Compliance-Kultur, wo jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter Compliance verinnerlicht und sich auch um die Compliance ihrer/seiner Kolleginnen und Kollegen „kümmert“ und ihr/ihm diese nicht gleichgültig ist. Die Diskussion zwischen Karoline Edtstadler (zum Zeitpunkt des Gesprächs Staatssekretärin) und Kristof Wabl zum Stand der Dinge sollten Sie lesen. Auch unseren Brennpunkt widmen wir diesem Thema. Stappers/Koukol fassen den Rechtsstand bestens praxisgerecht zusammen. Barbist/Kröll stellen im Detail den auf EU-Ebene geplanten Schutz von Whistleblowern dar. Dass Unternehmen von der Pflicht befreit werden können, anonyme Meldungen anzunehmen und zu bearbeiten, ist ein Rückschritt, widerspricht allen Benchmarks und schadet der Wirksamkeit von Compliance-Management-Systemen. Bleibt nur zu hoffen, dass Österreich in der Umsetzung davon keinen Gebrauch macht. Das oft vergessene Spannungsverhältnis zwischen Whistleblowing und dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen zeigen Kapek/Popp auf.

Als einen Themenblock haben wir uns wieder die öffentliche Hand vorgenommen. Sehr eindrucksvoll und richtungsweisend sind die von Gmeiner geschilderten Präventionsmaßnahmen der Bundesländer im Bereich der Korruption. Diese Maßnahmen sind gerade für die Corporates besonders interessant. Dazu passend beschäftigen sich Hutter/Wieselthaler mit dem Wertemanagement in der Exekutive als Element der Selbststeuerung, nicht als Einzelmaßnahme, sondern als dauerhafter Prozess.

Man glaubt es kaum: Man kann auf die DSGVO schon zurückblicken. Mair/Müller/Schlepitzka geben einen sehr guten Überblick über die Lessons Learned und fassen die relevanten Aspekte zusammen. Die Sicht der Behörden zeigt Knyrim auf.

Sehr interessant ist auch die Trendanalyse von Mlinarcsik. Es geht in Richtung Integration der Prozesse und Automatisierung.

Besonders freut es uns, dass wir für unser Cover-Interview den Finanzvorstand der Miba AG, Markus Hofer, gewinnen konnten. Die Aussage, dass Compliance nicht verhandelbar ist, zeugt von starkem Tone-from-the-Top eines globalen österreichischen Champions. Unternehmen brauchen mehr denn je prägnante Leitsätze und klare Werte statt tausender Seiten Compliance-Manuals, die keiner liest.

Übrigens: Wenn Sie Chief Compliance Officer sind, sollten Sie auf jeden Fall unseren „Selbsttest“ machen.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihr
Alexander Petsche
Schriftleiter Compliance Praxis

Foto Anna Rauchenberger

DDr. Alexander Petsche MAES

DDr. Alexander Petsche ist Rechtsanwalt und Partner von Baker & McKenzie. Zu seinen Beratungsgebieten zählen die Einführung und Weiterentwicklung von Compliance Management Systemen, Internal Investigations und White Collar Crime, bis hin zur strafrechtlichen Verteidigung. Er ist Co-Herausgeber des Handbuch Compliance und Co-Herausgeber und Schriftleiter des Magazins Compliance Praxis, weiters Co-Herausgeber der Compliance Meisterklasse. Er ist Lehrgangsleiter eines von Austrian Standards zertifizierten Business Circle Compliance Officer Lehrgangs und Vorsitzender des ASI Komitees ONR 192050 und österreichischer Delegationsleiter zur ISO 19600.

 

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