Compliance Praxis

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Das war der „Praxistag Compliance für den Mittelstand“

Einen ganzen Seminartag widmete Austrian Standards am 7. Mai 2019 dem Thema Compliance-Management in mittelständischen Unternehmen. Weshalb Compliance auch für KMU sinnvoll ist und wie geeignete Maßnahmen aussehen können, darüber referierten führende Experten aus Österreich und Deutschland.

Nach wie vor kommt es selten vor, dass kleinere und mittlere Unternehmen in Österreich ihre Rechts- und Reputationsrisiken systematisch, sprich in Form eines Compliance-Programms, managen. Dies ließ sich zuletzt an der Teilnehmerstruktur des „Compliance Praxis Survey 2018“ – der ersten großen Compliance-Studie in Österreich – ablesen.

Dabei stehen KMU genauso im Fokus der Behörden wie große Unternehmen, im Gegensatz zu Letzteren kann eine Compliance-Krise ein KMU und dessen Geschäftsführung jedoch existenziell gefährden. Im internationalen Rahmen fragen Geschäftspartner, aber auch Regierungen, immer öfter nach dokumentierten Maßnahmen in den Bereichen Antikorruption und Compliance. Darauf und verschiedenste weitere Aspekte der Compliance für den Mittelstand gingen die Vortragenden am Praxistag ausführlich ein:

Dr. Armin Toifl, Lead Auditor bei Austrian Standards, zeigte Gründe für die Implementierung eines Compliance-Management-Systems (CMS) auf und stellte den internationalen Standard ISO 19600 als praktikablen Leitfaden für den Aufbau eines CMS vor.

Durch die Eckpunkte des zweiten wichtigen Standards, der ISO 37001 Anti-Korruptionsmanagement-Systeme, führte Michael Kayser von Idox Compliance und erläuterte dessen Anwendung speziell im Mittelstand.

Den „Faktor Mensch in der Korruptionsforschung“ nahm Mag. Dr. Angelika Schäffer, klinische Notfallpsychologin und Risikomanagerin, in den Blick. Sie verdeutlichte, welche persönlichen und organisatorischen Umweltfaktoren eigentlich rechtschaffene Mitarbeiter zu unredlichem Verhalten verleiten können.

Aus eigener Anschauung konnte Dr. Petra Held über die Herausforderungen einer „Ein-Mann/Ein-Frau-Compliance-Organisation“ berichten. Frau Held ist Compliance Managerin und Datenschutzbeauftragte der via donau.

Nach einer kurzen Vorstellung des E-Learning-Anbieters Bit Media durch Walter Khom beschäftigte sich MMag. Jacqueline Mlinarcsik von KPMG mit Compliance-Training und -Kommunikation in KMU.

Mag. Martin Eckel, Partner in der Rechtsanwaltskanzlei Taylor Wessing, warnte vor dem „Mythos Bagatellkartell“ und damit vor dem Irrglauben, dass kleinere Firmen von Kartellbußen nicht betroffen sein können.

Anhand eines Beispiels führte Strafverteidigerin Dr. Heidemarie Paulitsch drastisch die potenziell existenzgefährdenden Folgen einer Compliance-Krise für ein KMU vor Augen.

Nachdem Marco Hüsener von der Firma Got Ethics die Vorteile von Hinweisgebersystemen für jedes CMS deutlich gemacht hatte, deckte abschließend DDr. Alexander Pesche, Partner bei Baker McKenzie, die „größten Compliance-Irrtümer“ auf. Etwa jenen, dass Compliance auf hundertprozentige Regelkonformität abziele.

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