Compliance Praxis

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2. Compliance Netzwerktreffen: Antikorruption im Fokus

10.03.2011 | Von Mag. Klaus Putzer

Schlagworte : Martin Kreutner | RZB | Antikorruption | IACA

Ganz im Zeichen der Antikorruption stand am letzten Mittwoch das 2. Compliance Netzwerktreffen in der Raiffeisenzentrale am Wiener Stadtpark. Keynote-Speaker war Mag. Martin Kreutner, der den Aufbau der "International Anti-Corruption Academy" (IACA) in Laxenburg leitet. Etwa 150 Gäste folgten seinen Ausführungen zu internationalen Perspektiven der Korruptionsbekämpfung.

Am 9. März drehte sich in der RZB-Zentrale in Wien alles um das Thema Korruptionsbekämpfung. Transparency International - Austrian Chapter präsentierte dort am frühen Abend eine Studie über die Rolle von Verjährungsfristen im Kampf gegen Korruption (näheres hier). Den Tag über hatten sich am Stadtpark sämtliche Compliance Officer der RBI zu Workshops und Gesprächen getroffen.

Zum 2. Compliance Netzwerktreffen um halb sieben Uhr fanden sich dann rund 150 Mitglieder der österreichsichen Compliance-Community ein. Als Gastredner konnte Mag. Martin Kreutner gewonnen werden. Mag. Kreutner leitet derzeit den Aufbau der "International Anti-Corruption Academy" ( IACA) in Laxenburg und hat in verschiedenen Funktionen jahrelange praktische Erfahrungen in der Korruptionsbekämfpung gesammelt. Eine runde Sache also, denn auch die neue Ausgabe des Magazins Compliance Praxis legt einen inhaltlichen Schwerpunkt auf das Thema Antikorruption.

Foto Anna Rauchenberger
Wachsende Sensibilisierung

In seinem Vortrag zeichnete Mag. Kreutner ein ambivalentes Bild der internationalen Korruptionsbekämpfung. Einerseits hat sich in den letzten Jahrzehnten viel bewegt: 1993 wird Transparency International gegründet, 1997 verabschiedet die OECD eine Antikorruptions-Konvention. 2005 schließlich tritt die umfassende UNCAC (United Nations Convention against Corruption) in Kraft.

Trotzdem gehen die durch Korruption weltweit verursachten wirtschaftlichen Schäden noch immer in die hunderte Milliarden Euro. Auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Institutionen sinkt. Laut dem Global Corruption Barometer 2010 werden die „Säulen der Gesellschaft“ – politische Parteien, Parlament, Polizei, Justiz – im Vergleich zu anderen Institutionen als besonders korrupt eingeschätzt. Dass immer mehr Menschen Korruption als gesellschaftliches Problem wahrnehmen, könnte allerdings auch auf eine zunehmende Sensibilisierung hinweisen.

Foto Anna Rauchenberger
Zusammenschluss der Gleichgesinnten

In Richtung Privatem Sektor plädiert der Korruptionsexperte für ein Businessmodell der „sauberen Geschäfte“. Dieses müsse von der Unternehmensführung propagiert werden. Notfalls auch unter Verzicht auf ein Geschäft – in der Gewissheit, dass sich dadurch andere Chancen auftun. Allianzen von like-minded seien hier unabdingbar, denn nur wenn viele an einem Strang ziehen, ließen sich korrupte Strukturen aushebeln, zeigt sich Mag. Kreutner überzeugt: deshalb seien Netzwerke wie das Compliance Netzwerk Österreich auch so wichtig.

"Erst kommt das Fressen, ..."

Die moralisch-ethischen Anforderungen liegen dabei für westliche Spieler eindeutig höher als für ärmere Staaten. Reflexhafte Schuldzuweisungen an Drittweltländer verbieten sich für den Experten insofern, als dass – nach Brecht – zuerst „das Fressen“ komme, dann erst die Moral. So muss einem Polizisten in Kabul, der 50 Dollar im Monat verdient, für seine Familie aber selbst bei bescheidenster Lebensführung mindestens 100 Dollar aufbringen muss, die Einhaltung ethischer Normen zwangsläufig schwerer fallen als dem satten, westlichen Geschäftsmann.

Keine einfachen Lösungen

Simple und schnelle Lösungen gebe es im Kampf gegen Korruption allerdings nicht, sagt der Korruptionsexperte aus langjähriger Erfahrung. Erfolgversprechend sei vielmehr ein ganzheitlicher Ansatz aus Vorbeugung, Schulungen, Sanktionsmöglichkeiten und Zusammenarbeit. Die EU-Mitgliedstaaten, der Westen generell, hinkten hier östlichen Nachbarn oft hinterher. Die positiven Zeichen im Kampf gegen Korruption ließen sich aber nicht übersehen, so Mag. Kreutner: Dass die Schweizer Konten eines gestürzten korrupten Regimes innerhalb kürzester Zeit gesperrt worden seien, wäre noch vor einigen Jahren unvorstellbar gewesen.

Den gesamten Vortrag zum Nach-"Schauen" finden Sie hier:

 

Die Bilder

 

 

Fotos Anna Rauchenberger

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