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Zeitmanagement: „Das hol ich wieder rein!“

Compliance-Vorgaben werden gerne in die Rubrik wichtig, aber wenig dringlich eingeordnet. Irgendwann wird man sich schon darum kümmern. Aber: Ist es dann vielleicht schon zu spät?

Spätestens, wenn man neben all den anderen wichtigen Aufgaben ein wenig Luft hat, wird man ganz sicher den Agentenvertrag unterzeichnen lassen, die Schulung durchführen, die Lieferantenverpflichtungen dokumentieren oder die Barkasse prüfen. So lautet der Vorsatz vieler Compliance-Beauftragter – insbesondere solcher, die diese Tätigkeit nicht in Vollzeit ausüben. Ob das wirklich klappt? Ob es klappen kann? Eine Denkaufgabe, die der Begründer der Gestaltpsychologie, Max Wertheimer, dem Nobelpreisträger Albert Einstein stellte, zeigt auf, was geht und was nicht geht.

Die Aufholjagd – das Rätsel

Ein altes, klappriges Auto fährt einen Weg von 2 Kilometern. Einen Kilometer einen Hügel hinauf, den anderen Kilometer wieder herunter (vgl. Grafik). Schnell kommt es nicht den Weg hoch, die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 15 km/h. Wie schnell muss das Auto den Berg herunterfahren, damit es auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h kommt?

(c) Gert Gigerenzer

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Die Auflösung

Die meisten Menschen nehmen intuitiv eine Geschwindigkeit von 45 bis 60 km/h an. Wer nachrechnet, kommt auf die tatsächliche Lösung: Das Auto fährt 15 Kilometer in der Stunde, benötigt also für einen Kilometer 4 Minuten (60/15), braucht somit 8 Minuten, um auf den Berg zu kommen. Um jedoch insgesamt 4 Kilometer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 30 km/h zu bewältigen, werden 8 Minuten benötigt. Diese zur Verfügung stehende Zeit ist aber – siehe oben –durch die Hinauffahrt bereits komplett aufgebraucht! Es ist somit unmöglich, auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h zu kommen, egal mit welchem Tempo der Berg hinuntergefahren wird.

Fazit: Intuition kann täuschen

Da auch Albert Einstein an der Aufgabe intuitiv scheiterte, muss sich der Leser nicht schämen, wenn der danebenlag, sollte sich allerdings überlegen, ob eine Aufgabe tatsächlich zu bewältigen ist, wenn die Zeit knapper wird. Nicht nur, aber auch in der Compliance.

Anmerkung: Das Beispiel ist dem Buch "Risiko" von Gerd Gigerenzer entnommen.

 

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