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Wie ein E-Mail sein Leben veränderte: Vom Vorstandschef zum Whistleblower

Michael Woodford war Vorstandsvorsitzender bei Olympus. Er hatte alles, was die Geschäftswelt zu bieten hatte. Doch er war nicht bereit, Betrügereien im Umfang von 1,7 Mrd. Dollar zu vertuschen. Im Buch „Enthüllung“ erzählt er spannend und sehr persönlich seine Geschichte.

(c) Deloitte Österreich/APA-Fotoservice/Tanzer

Michael Woodfords Buch „Enthüllung“ liest sich wie ein Krimi. Der Brite (rechts im Bild) hatte drei Jahrzehnte seines Lebens bei Olympus gearbeitet, bevor er es als erster westlicher Manager an die Spitze des japanischen Großkonzerns schaffte. Woodford hatte die Position des Vorstandsvorsitzenden erst wenige Wochen inne, als er per E-Mail auf einen Artikel in einer Zeitschrift aufmerksam gemacht wurde. In diesem Artikel wurde beschrieben, dass Olympus drei kleine Firmen erworben hatte. Diese Firmen machten keinerlei Profit. Trotzdem bezahlte Olympus eine Milliarde Dollar für die Akquisitionen. Und weitere 700 Millionen Dollar waren für Beratungen auf den Cayman-Inseln verschwunden.

Für Woodford war klar, dass er als CEO die Pflicht hatte, aufzudecken, was hier falsch gelaufen war. Er konfrontierte Konzernchef Kikukawa und auch den Vizechef Mori mit diesem Sachverhalt. Diese reagierten ausweichend. Je mehr Woodford nachbohrte, desto unangenehmer wurde seine persönliche Situation. Es war offener Hass, der ihm plötzlich entgegenschlug. Woodford informierte die Wirtschaftsprüfer. Aber all seine Aufklärungsversuche stießen auf eine Mauer des Schweigens und der Ignoranz. In der Sitzung des obersten Leitungsgremiums, das er zur Aufklärung des Sachverhalts einberufen hatte, wurde er einstimmig abgewählt.

Da Woodfood daraufhin um sein Leben fürchtete, verließ er Japan fluchtartig.  Doch zuvor übergab er alle Unterlagen einem Reporter der Financial Times. Als er in London landete, war seine Story bereits auf dem Titelblatt dieser Zeitung. Er erhielt viele Interviewanfragen. Und er nahm erhebliche Risiken für sich und seine Familie in Kauf. Diese gingen soweit, dass er sogar Polizeischutz benötigte.

Die Verursacher – allen voran Olympus-Patriach Kikukawa – wurden inzwischen verurteilt. Woodford wurde für seinen Mut mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet. Und er unterstützt Organisationen, die sich für den Schutz von Hinweisgerbern einsetzen.

Am 3. April 2014 erzählte Michael Woodford seine persönliche Geschichte im Rahmen der Arbeitsgruppe Whistleblowing von Transparency International – Austrian Chapter. Er bezog die rd. 80 Zuhörer in seinen spannenden und aufschlussreichen Vortrag mit ein. Durch die praxisnahe Schilderung ganz konkreter Situationen waren die Erfahrungen und Emotionen dieses prominenten Whistleblowers im Raum spürbar und erlebbar.

Allen, die mehr über diese außergewöhnlich mutigen und prinzipientreuen Mann erfahren wollen, empfehle ich sein Buch „Enthüllung“. Das Buch ist vor kurzem im Wiley Verlag auch auf Deutsch erschienen.

 

Michael Woodford
Enthüllung - Vom CEO zum Whistleblower bei Olympus
Wiley Verlag
1. Auflage April 2014
288 Seiten, Hardcover, 20,60 Euro
ISBN 978-3-527-50778-8