Compliance Praxis

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28. Netzwerktreffen: „Compliance-Standards im Praxistext“

Welche Erfahrungen haben österreichische Unternehmen bisher mit der Zertifizierung ihrer Compliance-Management-Systeme gemacht? Einblicke in die Praxis gewährten vier Compliance-Verantwortliche auf dem 28. Compliance Netzwerktreffen von LexisNexis. Rund 100 Gäste besuchten am 1. März den Diskussionsabend bei Gastgeber Austrian Standards in Wien.

Österreich hat Pionierarbeit geleistet, wenn es um die Zertifizierung von Compliance-Management-Systemen (CMS) geht. Darauf verwies Dr. Peter Jonas, Director Certification bei Austrian Standards, nicht ohne Stolz einleitend zum 28. Compliance Netzwerktreffen am 1. März in Wien, zu dem er als Gastgeber gemeinsam mit Susanne Mortimore, Leiterin Marketing und Sales bei LexisNexis, rund 100 Gäste begrüßen konnte.

Eine aktive Rolle in der Entwicklung verschiedener Standards und Normen (wie ONR 192050, ISO 19600, ISO 37001) hatte DDr. Alexander Petsche, Partner bei Baker McKenzie, gespielt. Er wirkte in den Normungskomitees an der Finalisierung unterschiedlicher Standards mit, nach denen Unternehmen ihr CMS heute zertifizieren lassen können. In der Diskussion mit Compliance Officern aus vier österreichischen Unternehmen, die diese Zertifizierung bereits durchgeführt haben, fragte er in der Rolle des Moderators nach Beweggründen für und Erfahrungen mit dem Zertifizierungsprozess.

Antworten darauf gaben Mag. Alexander Krause (ANDRITZ AG), Michael Mrak (CASINOS Austria AG), Dr. Josef Schwarzecker (PORR AG) und Mag. Dr. Maximilian Wellner (Greiner Holding AG).

Innenperspektive: Wichtiger Motivationsfaktor

„Irgendwann will man wissen, wo man steht“, begründete Alexander Krause den Schritt der Andritz zur Zertifizierung ihrer Compliance, die seit sieben Jahren als Gruppenfunktion eingerichtet ist. Neben der Außenwirkung auf Markt, Behörden und Wirtschaftsprüfer sei die Wirkung nach innen auf die Führungsriege fast noch bedeutender. Aufsichtsrat und Vorstand einen „Nachschub an Awareness geben, dass wir uns professionalisiert haben“, nennt es Michael Mrak, während es der Ehrgeiz der PORR war, sich als erster Baukonzern Europas nach der ISO 37001 für Antikorruptionsmanagement prüfen zu lassen. Für die mittelständische Greiner Holding diente der Auditing-Prozess durch Austrian Standards insbesondere auch als Vorbild für die internen Audits an den internationalen Standorten.

© leadersnet.at/C.Mikes

V.l.n.r.: Maximilian Wellner (Greiner Holding), Josef Schwarzecker (Porr), Moderator Alexander Petsche (Baker McKenzie),  Michael Mrak (Casinos Austria), Alexander Krause (Andritz).

„Lessons Learned“

Womit Dr. Wellner auch bereits die Frage nach den „Aha-Erlebnissen“ angeschnitten hatte. Für die Andritz habe die Vorbereitung auf das Audit eine „Lehrstunde in lückenloser Dokumentation“ bedeutet, so Mag. Krause. Die übrigen Podiumsteilnehmer hoben den „Awareness-Effekt“ durch den Zertifizierungsprozess besonders hervor: „Wir haben gewaltigen Wind in die Segeln bekommen“, formulierte Dr. Schwarzecker, während Dr. Wellner einen von den Audits ausgelösten „Korpsgeist“ und ein „Wettbewerbselement“ konstatierte: „Die Leute nehmen Compliance so besser an als über interne Schulungen.“

Erfolgsfaktoren

Bei Andritz sei mit der „Compliance-Gießkanne“ begonnen worden, so Mag. Krause: „Der Durchbruch gelang, als wir uns auf ein Thema konzentriert haben und das Management richtiges Verhalten zu incentivieren begonnen hat. So wurde ausgehend vom Verkauf ein Lawineneffekt aufgelöst, der jetzt weit über Compliance hinausgeht.“ Michael Mrak rät zum Knüpfen strategischer Allianzen: „Wir haben uns relativ früh in dem Prozess Verbündete gesucht bei Internal Audit, HR, Finance, Konzernkommunikation und – sehr wichtig – Vorstandsassistenz.“ Seien einzelne Funktionen erst mit Compliance-DNA „infiltriert“, dann wirkten sie wie Katalysatoren.

„Unsere Challenge war zunächst, überhaupt zu verstehen, was einzelne Punkte der ISO 37001 bedeuten“, berichtete Dr. Schwarzecker: „Heute sind wir so weit, dass durchgängig vom On- bis zum Off-Boarding der Mitarbeiter auf Compliance hingewiesen wird.“ Dr. Wellner verwies auf den „Tone from the Top“ als entscheidenden Erfolgsfaktor für Compliance, zu dem jedenfalls auch konkrete Schritte bei Fehlverhalten von Mitarbeitern, wie etwa Abmahnungen, gehören.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die feierliche Überreichung des Zertifikats an die Andritz AG, das Mag. Krause von Dr. Jonas entgegennahm.

 

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