Compliance Praxis

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27. Netzwerktreffen: „Compliance 4.0 – Wie IT die Spielregeln verändert“

Wie IT die Spielregeln auch in der Compliance verändert, machten die Vortragenden auf dem jüngsten Compliance Netzwerktreffen am 29. November im Bundesrechenzentrum (BRZ) deutlich. Über hundert Gäste nahmen an der Veranstaltung teil.

Neue Technologien wie Big Data-Analysen, Blockchain und Künstliche Intelligenz beginnen mehr und mehr auch die Rechts- und Compliance-Branche umzukrempeln. Alberto Sanz de Lama, Geschäftsführer von LexisNexis, verwies in seiner Begrüßung auf das Beispiel Georgien. Dort wurde das Grundbuch auf Blockchain-Technologie umgestellt, nicht zuletzt, um korrupte Praktiken hintanzuhalten. Die drei Hauptreferenten Rosa Steger, Senior Expert Management-Systeme OMV, Matthias Lichtenthaler, Head of Digital Transformation BRZ, und Michael Siegmund, Geschäftsführer Ancoreage Management Partners, befassten sich im Folgenden vor allem mit internen Richtlinien. Im Fokus standen also nicht so sehr die gesetzlichen Vorschriften, sondern die Unzahl operativer Vorgaben in der betrieblichen Praxis.

Es geht um viel Geld

Das effiziente Management dieser Regelungen kann gerade in einem großen Industriekonzern wie der OMV hohe Kosteneinsparungen bringen. Rosa Steger machte dies an einem Beispiel deutlich: Was müssen die Verantwortlichen in Pakistan tun, wenn die Bohrmaschine im Bohrloch steckenbleibt und der Bohrmeißel abzureißen droht? Es wäre gut, dass sie nicht irgendetwas probieren, sondern einem festgelegten Prozedere folgen und etwa in der Zentrale in Gänserndorf nachfragen, was zu tun ist. Dort wird man die geeignete Methode herausfinden, damit der Bohrmeißel nicht abreißt und so hohe Zusatzkosten vermeiden helfen.

In der OMV werden Regelungen zuerst in den dezentralen Fachabteilungen entworfen und geprüft. Nach dem elektronischen Genehmigungsprozess erfolgt die Publikation auf einer zentralen Plattform, danach die zielgenaue Kommunikation in den Fachabteilungen. In Zukunft werde Künstliche Intelligenz die Erstellung der Regeln noch weiter vereinfachen, Suchanfragen erleichtern und Widersprüche vermeiden helfen, zeigte sich Steger überzeugt.

Smarte statt starre Richtlinien

Michael Siegmund skizzierte die Auswirkungen neuer Technologien auf die Compliance. Insbesondere verwies er auf die Erwartungshaltungen der Stakeholder: Regulatoren erwarten sich einen ganzheitlichen Ansatz, d.h. sie ziehen nicht mehr nur Stichproben, sondern verlangen nach vollständigen Datensätzen. Mitarbeiter rechnen mit nutzerfreundlichen Anwendungen, die präzise Informationen in Echtzeit zur Verfügung stellen. Das Management wiederum fragt nach der Produktivität: Erlauben smarte Tools die Einsparung von Ressourcen?

Tatsächlich prognostizieren Studien die Reduktion der Ressourcen im Compliance-Bereich auf 30 bis 40 Prozent des aktuellen Niveaus. Trotzdem werde es eher zu Aufgabenverschiebungen statt Personalabbau kommen, so Siegmund. Das Regelungsmanagement werde dabei eine zentrale Rolle als Schnittpunkt und Fundament für alle Stakeholder spielen, wobei „smarte Richtlinien“ starre Vorgaben und breite Infokampagnen ersetzen dürften.

It’s the context, stupid!

Der für innovative Themen im BRZ zuständige Matthias Lichtenthaler unterstrich in seinem Vortrag: Entscheidend sei, dass Compliance nicht nur in einem negativen Kontext („Ich muss das tun“) gesehen wird. „Unsere Mitarbeiter sollen verstehen, warum Compliance wichtig ist, nicht nur für das BRZ, sondern für die öffentliche Verwaltung insgesamt“, so Lichtenthaler.

Es sei nicht die Zielsetzung, dass Computer Compliance überflüssig machen. Computer könnten zwar einfache Tätigkeiten erledigen, komplexe Aufgabenstellungen müssten aber weiterhin Menschen lösen.

Innovatives Wissensmanagement, wie es Lichtenthaler versteht, setzt v.a. bei der Frage an, wie Mitarbeiter alle Informationen erhalten, um Probleme auch wirklich zu verstehen. Stichwort Kontextualisierung: nur verständliche Regeln werden auch befolgt. Ein modernes Informationsmanagementsystem gibt folglich kontextualisierte Inhalte weiter, die für die Mitarbeiter in ihren jeweiligen Positionen relevant sind. „Zweimal im Jahr ins Seminarhotel und das war’s dann“ reiche heute nicht mehr aus, schloss Lichtenthaler.

Dass das Thema Digitalisierung nicht nur IT-ler, sondern auch (Unternehmens-)Juristen und Compliance-Verantwortliche bewegt, zeigte die Teilnehmerzahl des 27. Compliance Netzwerktreffens: über hundert Interessierte besuchten die Veranstaltung im Bundesrechenzentrum in Wien Mitte.

 

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