Compliance Praxis

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12. Compliance Netzwerktreffen: Compliance in CEE

Österreichs östliche Nachbarländer gelten als schwieriges Terrain für Compliance-Verantwortliche. Doch stimmt das Klischee? Was ist anders als hierzulande? Und worauf sollten in CEE aktive Firmen beim Ausrollen von Compliance-Maßnahmen achten? Darüber diskutierte ein Expertenpodium beim 12. Compliance Netzwerktreffen.

Das von LexisNexis, TaylorWessing e|n|w|c Rechtsanwälte und Novomatic veranstaltete 12. Compliance Netzwerktreffen stand unter dem Titel „Compliance in Central & Eastern Europe: CEE the difference!“. Über 120 Gäste folgten am 20. Februar 2014 der Einladung ins Novomatic Forum im Herzen Wiens.

Am Podium saßen drei österreichische Manager (s. Kasten) mit langjähriger beruflicher Erfahrung in den Ländern Zentralosteuropas. Gemeinsam mit TaylorWessing-Partner Martin Eckel als Moderator nahm man Klischees rund um den „wilden Osten“ in den Blick und versuchte, Unterschiede zu „westlichen“ Verhältnissen herauszuarbeiten.

Einleitend warnte Martin Eckel davor, aus österreichischer Position „oberlehrerhaft rüberzukommen“, sei es doch um die Transparenz in Österreich, etwa im Justizwesen, nicht optimal bestellt: „Betritt man ein Gerichtsgebäude in London, sind alle im Haus laufenden Verfahren auf einer Übersichtstafel aufgelistet. In Wien muss man schon genau wissen, wo ein bestimmter Fall verhandelt wird.“

Mitarbeitern Regeln beibringen in Ost und West

Geht es darum, einen Code of Conduct im Konzern einzuführen, verläuft das bei österreichischen Muttergesellschaften nicht zwingend reibungsloser ab als bei einer Ost-Tochter. „Die Widerstände der Stammbelegschaft in Österreich sind oft größer als bei Unternehmen, die akquiriert werden“, berichtet Robert Pristauz-Telsnigg von General Dynamic European Land Systems. Die Nähe zur Konzernzentrale spiele für die Umsetzung der Schulungen in die Praxis durchaus eine Rolle, ergänzt Michael Wadsak, der jahrelang für amerikanische Chemieunternehmen in CEE tätig gewesen ist. Mitarbeiter fern der Zentrale, die gegen Regeln verstoßen, argumentieren, dass Wettbewerber ohne Verhaltenskodex Vorteile bei der Auftragsakquise hätten.

Foto: Anna Rauchenberger

V.l.n.r.: Robert Pristauz-Telsnigg, Gottfried Berger, Martin Eckel, Michael Wadsak

Dass allein aus Compliance-Gründen der Rückzug aus einem Markt angetreten wird, entspricht aber nicht den Erfahrungen der Diskutanten. Das geschäftliche Engagement erfolgt dann nicht mehr direkt, sondern über Agenten oder sogenannte „Sales Reps“. Mit deren Kontrolle haben Compliance-Verantwortliche allerdings „ihre liebe Not“, wie Pristauz-Telsnigg einräumte: „Wir prüfen diese Agenten sehr, sehr, sehr genau.“ Verlangt werden monatliche Berichte über alle Tätigkeiten, von Messe-Besuchen bis hin zu Mittagessen mit Amtsträgern, damit im Nachhinein lückenlos darstellbar sei, „wo die Leistung war“.

Sprachen: Englisch schlägt Deutsch

Compliance-Schulungen werden heute meist in englischer Sprache durchgeführt. Auch hier habe ein Generationenwechsel stattgefunden, sagte Gottfried Berger von Novomatic. Bis vor einigen Jahren habe es in CEE mehr Menschen mit Deutschkenntnissen gegeben. Junge Angestellte heute würden sich dagegen eher für Englisch entscheiden. Als Leiter der Internen Revision führt Berger daher Audits vorwiegend in Englisch durch und meinte: „Solange es nicht zu heikel wird, sprechen die Leute gut englisch.“ Werde es spannend, müsse mitunter ein Dolmetscher beigezogen werden.

Unterschiedliche Mentalitäten?

Wie steht es mit dem weichen Faktor „Mentalität“? Sind die Differenzen zwischen Österreich und CEE tatsächlich vorhanden? Lassen sich Länder wie Slowenien oder Polen überhaupt in einen Topf werfen? Nicht unbedingt, so das Podium. Wahrnehmbar sei jedoch tendenziell ein Gefälle im Compliance-Bewusstsein zwischen der Peripherie und den Hauptstädten, wo sich mit dem Einzug internationaler Konzerne westliche Standards rascher etablieren.

Die Nachwirkungen kommunistischer Zeiten ließen sich, so Berger, nicht leugnen. Der etwa am Balkan gängige Spruch „Was du dem Staat nicht stiehlst, stiehlst du deiner Familie“ werde nicht selten auch auf das Unternehmensumfeld übertragen. Das Unrechtsbewusstsein sei daher geringer als in Österreich, wenn man als Angestellter den eigenen, als anonym und mächtig empfundenen Konzern schädigt.

Auf verbreitete Skepsis bis Ablehnung stoßen in CEE hingegen anonyme Hinweisgebersysteme, insbesondere in Staaten, wo einst auf Bürgerbespitzelung aufgebaute Regime herrschten. Sowohl Robert Pristauz-Telsnigg als auch Michael Wadsak sehen es lieber, wenn Mitarbeiter Verstöße direkt beim Vorgesetzten oder bei der Geschäftsführung deponieren. Beide werben bei den Mitarbeitern nicht aktiv für die in ihren Konzernen vorhandenen Whistleblowing-Systeme.

Ausblick

Schwierigkeiten bei Geschäften in CEE leugneten die Diskutanten nicht, insbesondere bei Kontakten mit Offiziellen – vom Zollbeamten bis zum politischen Entscheidungsträger. Grundsätzlich finde ein Wandel zum Positiven statt. Gewisse Verhaltensweisen würden in Zukunft nicht mehr toleriert werden. „Wir können mit einem Code of Conduct im Unternehmen aber nicht das politische Umfeld ändern“, schränkte Gottfried Berger ein.

Vor diesem Hintergrund riet Rechtsanwalt Eckel, auf kostspielige gerichtliche Auseinandersetzungen in CEE zu verzichten, wenn schon im Vorfeld klar sei, dass keine Aussicht auf Erfolg bestehe.

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Alle Fotos: Anna Rauchenberger

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